Freitag, 28. September 2018, 19 Uhr
after the butcher
Verstrickungen / Entanglements
Eröffnung


Künstler*innen: Forensic Architecture / Die Gesellschaft der Freund*innen von Halit / Initiative 6. April, Michaela Meise, Tomás Saraceno
Ort: after the butcher, Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und soziale Fragen
Spittastr. 25, 10317 Berlin


Eröffnung: Freitag, 28. September 2018, 19 Uhr
Ausstellung: 29. September – 11. November 2018

after the butcher stellt mit
Verstrickungen / Entanglements drei künstlerische Positionen vor, die sich mit Fragen beschäftigen, die schon die historische Moderne in der Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus beschäftigten: Wie kann Kunst in die Gesellschaft hinein agieren? Kann sie zukunftsweisende Ideen implementieren, die die gegenwärtige Situation positiv verändern?

Die Arbeit
77sqm_9:26min von Forensic Architecture hat sich in diesem Sinne, wie nur wenige andere künstlerische Arbeiten, sowohl in einen laufenden juristischen Prozess als auch in eine politische Debatte eingeschaltet. Die Gesellschaft der Freund*innen von Halit, ein internationaler Zusammenschluss von Künstler*innen und Aktivist*innen, beauftragte die Forschungsgruppe aus London, die Verstrickungen des hessischen Verfassungsschutzbeamten Andreas Temme in den Kasseler NSU-Mordfall von Halit Yozgat zu untersuchen. Die Forschungsgruppe widerlegt in einer detaillierten Simulation die Aussagen des Geheimdienstagenten, der zum Zeitpunkt des Mordes am Tatort in einem Kasseler Internetcafé anwesend war.

Die Bildhauerin Michaela Meise präsentiert erstmals ihre Recherchearbeit
Der Ort, Station Z von 2007 in Berlin. Die sogenannte Station Z war ein getarnter Hinrichtungsort innerhalb des NS-Konzentrationslager Sachsenhausen. Meise fokussiert in ihrer Arbeit die KZ-Gedenkstättenarchitektur dieses aufgeladenen Ortes. In einem Künstlerbuch reflektiert sie die unterschiedlichen Kontexte von Gedenkstätten in der DDR und in der BRD und ihre architektonischen Lösungen und Ausformungen.

Tomás Saracenos Netzinstallationen und Flugobjekte, die es Menschen ermöglichen durch die Lüfte zu gehen, sowie seine Plexiglaskuben, in denen Spinnen ihre filigranen Netze knüpfen, sind vielfach ausgestellt worden. Für die Ausstellung „Verstrickungen / Entanglements“ bei after the butcher wird der Künstler mit einer Radioantenne experimentieren, die ein Freifunknetzwerk mit Live-Übertragungen von Geräuschen speist, die Spinnen bei ihrer Arbeit am Netz hervorbringen.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Neuen Berliner Kunstverein, anlässlich des Ausstellungsprojekts A 37 90 89 – Die Erfindung der Neo-Avantgarde.


Diskussionsveranstaltung

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 19 Uhr
Von Auftraggeber*innen und Rechercheur*innen: Kunst vs. rechten Terror
Podiumsdiskussion mit Ayşe Güleç (Die Gesellschaft der Freund*innen von Halit, Kassel), Fritz Lazlo Weber (Künstler, Kassel) und Dieter Lesage (Philosoph, Royal Institute for Theatre, Cinema and Sound, Brüssel), moderiert von Nora Sternfeld (documenta-Professorin, Kunsthochschule Kassel)
Eintritt frei
Ort: after the butcher, Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und soziale Fragen, Spittastr. 25, 10317 Berlin


Forensic Architecture / Die Gesellschaft der Freund*innen von Halit / Initiative 6. April
Forensic Architecture ist ein unabhängiges Forschungskollektiv am Goldsmiths, University of London. Die Gruppe wurde von der Gesellschaft der Freund*innen von Halit und der Initiative 6. April beauftragt, den Mord an Halit Yozgat durch die rechte Terrorgruppe NSU zu untersuchen. Die Arbeit wurde von der documenta 14 koproduziert. Gezeigt wird außerdem ein Video (Kamera: Sefa Defterli) von der Demonstration „Kein zehntes Opfer“ am 6. Mai 2006, die Freund*innen und Unterstützer*innen der Familie Yozgat von der lokalen Initiative 6. April in Kassel organisierten.

Michaela Meise (*1976) lebt in Berlin. Sie ist für ihre an Minimal Art geschulte Bildhauerei bekannt. Die von ihr verwendeten Medien reichen von Zeichnung und Skulptur über Performance bis zur Musik, wobei sie auch Bilder und Texte arrangiert und in collagenartige lnstallationen integriert. Sie wird von der König Galerie vertreten.

Tomás Saraceno (*1973) ist ein argentinischer Künstler, der in Berlin lebt. Seine künstlerische Arbeit berührt und verbindet Wissenschaft, Architektur und Gesellschaft. Er untersucht unterschiedliche soziale Systeme und Netzwerke, in denen der Mensch sich bewegt und betrachtet dabei größere Zusammenhänge. Er wird vertreten von der Galerie Esther Schipper.


after the butcher – Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und soziale Fragen
Spittastr. 25, 10317 Berlin
www.after-the-butcher.de

Geöffnet nach Vereinbarung: ina@after-the-butcher.de

Am Eröffnungswochenende der Berlin Art Week ist
Samstag 29.9 & Sonntag 30.9 von 12-18 Uhr geöffnet.