Freitag, 22. Juli 2022, 17 Uhr
Singolarità, moltitudini: per una politica partecipata del comune (Singularities, multitudes: for a participatory politics of the common)

Online-Vortrag von Toni Negri (Philosoph und Politikwissenschaftler, Paris)
In italienischer Sprache mit englischen Untertiteln

Der Begriff der „Gemeinschaft“ oder der „Allmende“ (common) wird immer wieder verwendet, um das nicht-proprietäre System der natürlichen Ressourcen, den Zustand der sozialen Kooperation, die menschliche Fähigkeit zur Zusammenarbeit und die Art und Weise zu charakterisieren, in der es einzelnen Subjekten gelegentlich gelingt, eine neue Subjektivität zu erfinden: zusammengesetzt, multitudinal, kohärent und in der Lage, sich selbst mit beispiellosen neuen Institutionen auszustatten. Der große mesopolitische Kontext dieser neuen allgemeinen Ökonomie – welche Singularitäten, multitudinale Zusammensetzung und Produktion des Gemeinsamen miteinander verbindet – gründet auf der Idee, dass heutige Politik die Umwelt nicht ignorieren kann. Umwelt wird dabei nicht einfach als ein Raum verstanden, der von einer sich immer weiter ausbreitenden Biopolitik erobert wird, sondern im Gegenteil als ein Bereich des möglichen Widerstands, als eine lebendige Umwelt, eine Raum-Zeit, der Existenzen eingeschrieben sind und der Praktiken und Experimente gerade unter der Ägide der Gemeinschaft gegeben sind. Diese ständige Interaktion zwischen Umwelt und Leben definiert die Konturen einer neuen politischen Institutionalität, innerhalb derer wir bereits existieren und weiterhin praktizieren.

Toni Negri (*1933 in Padua / Italien) ist Politikwissenschaftler und ein zentraler Vertreter der operaistischen Lesart des Marxismus. Er war Professor für Rechtsphilosophie am Institut für Politikwissenschaften der Università degli studi di Padova. In den 1960er und 1970er Jahren zählte er zu den Hauptakteuren der sozialen und politischen Proteste in Italien. In seinem Werk beschäftigt sich Negri sowohl mit Studien zur politischen Philosophie als auch mit der Analyse der Globalisierung. Zusammen mit dem amerikanischen Philosophen Michael Hardt verfasste er die Bände
Empire (Cambridge/Mass.: Harvard University Press, 2000), Multitude. War and Democracy in the Age of Empire (New York: The Penguin Press, 2004), Commonwealth (Cambridge/Mass.: Harvard University Press, 2009) und Assembly (New York: Oxford University Press, 2017). Zuletzt erschien seine Publikation Marx in Movement. Operaismo in Context (Cambridge; Medford: Polity Press, 2021).