Mittwoch, 31. Oktober 2018, 19 Uhr
Kuratorinnengespräch

mit Magda Radu (Kuratorin und Kunsthistorikerin, Salonul de proiecte, Bukarest) und Brigitte Kölle (Kuratorin und Kunsthistorikerin, Leiterin der Galerie der Gegenwart, Hamburger Kunsthalle)
Ort: Rumänisches Kulturinstitut Berlin, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Saal 2, Eingang D


Geta Brătescu (*1926 in Ploiești / Rumänien, † 2018 in Bukarest) gilt als eine der wichtigsten Künstler*innen Osteuropas und darüber hinaus. Anlässlich ihrer ersten Einzelausstellung in einer Berliner Institution (Geta Brătescu, Neuer Berliner Kunstverein, 27. September 2018 – 25. Januar 2019) spricht die Kuratorin Magda Radu mit der Kunsthistorikerin Brigitte Kölle über das vielschichtige Werk Brătescus.

In englischer Sprache
Eintritt frei

Das breitgefächerte Œuvre von Geta Brătescu umfasst Zeichnungen, Collagen aus Stoff und Papier, grafische Arbeiten, Performances, Experimentalfilme und Fotografien sowie Objekte und Rauminstallationen. In der avantgardistischen Arbeit der Künstlerin verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Leben; im Zentrum ihrer Arbeiten stehen Fragen nach Subjektivität und Geschlecht, kultureller und persönlicher Erinnerung sowie eine permanente Auseinandersetzung mit den Grenzen des kreativen Ausdrucks. Unter dem sozialistischen Regime schuf Geta Brătescu autonome Räume und behauptete ihre Unabhängigkeit gegenüber einer konformistischen und repressiven Gesellschaftsform. Dabei agierte sie nicht im Untergrund oder isoliert von anderen Künstler*innenkreisen, sondern mit Bezug zu aktuellen kulturellen Entwicklungen. Seit den 1990er Jahren arbeitete sie beständig an der Ausformulierung eines immer vielfältigeren künstlerischen Vokabulars und erweiterte ihre Experimente mit Zeichnung und Collage fortwährend um verschiedene zeitliche und performative Komponenten. Geta Brătescus Werke wurden international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u. a.: Documenta, Athen und Kassel (2017); Hamburger Kunsthalle (2016); Tate Modern, Liverpool (2015); Venedig Biennale (2017; 2013; 1983; 1960); La Triennale, Paris (2012); Tate Modern, London (2012); National Museum of Contemporary Art, Bukarest (2012); Istanbul Biennale (2011); New Museum, New York (2011); São Paulo Biennale (1987; 1983).

Dr. Brigitte Kölle arbeitete als Kuratorin u. a. am Portikus, Frankfurt/Main; MoMA PS 1, New York; Institute of Visual Arts (INOVA), Milwaukee; an der Kunsthalle Wien und der Kunstsammlung K21, Düsseldorf. Seit Mai 2011 leitet sie den Sammlungsbereich der Galerie der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle, wo sie u. a. Einzelausstellungen von Louise Bourgeois (2012), Eva Hesse (2013), Gego (2013) und Geta Brătescu (2016) verantwortete.

Magda Radu arbeitet als Kuratorin und Kunsthistorikerin in Bukarest. Sie ist Gründerin und Co-Direktorin des unabhängigen Kunstraumes Salonul de proiecte, der sich mit seinem Programm auf die Produktion neuer Kunstwerke, Publikationen und diskursiver Plattformen konzentriert und eine Infrastruktur für kritische zeitgenössische Kunstproduktion schafft. Zuvor war sie bis 2016 am National Museum of Contemporary Art, Bukarest, tätig. In den letzten Jahren kuratierte sie Ausstellungen u. a. für das Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León, die Spinnerei, Leipzig, und Photo España, Madrid, sowie die Art Encounters Biennale in Timișoara. 2017 war sie Kuratorin des rumänischen Pavillons auf der 57. Venedig Biennale und stellte dort das Projekt
Geta Brătescu – Apparitions vor.