Donnerstag, 28. November 2019, 19 Uhr
Bild und Repräsentation im Werk von Hito Steyerl

Podiumsdiskussion mit Nora M. Alter (Professorin für Film und Medienkunst, Temple University, Philadelphia) und Klaus Theweleit (Kulturtheoretiker, Freiburg), moderiert von Doreen Mende (Kuratorin und Theoretikerin, Harun Farocki Institut, Berlin / University of Art and Design, Genf)

Hito Steyerl widmet sich in ihren künstlerischen Arbeiten und theoretischen Schriften der Reflektion unserer Zeit, die von Hyper-Kapitalismus, digitalem Lebenswandel, Globalisierung und zunehmenden politischen Krisen geprägt ist. In ihren Essayfilmen und raumgreifenden Videoinstallationen untersucht Steyerl die Politik der Bilder, hinterfragt die ihnen eingeschriebenen Machtmechanismen, beleuchtet politische Konflikte, den gesellschaftlichen Wandel in unserer technologisierten Gesellschaft und die Funktionsweisen unserer Lebenswelt. Ihre Arbeiten halten unserer digitalen Kultur den Spiegel vor, analysieren die Bildpolitiken von Internet, Werbung und Design sowie den sich verändernden Subjektstatus des Menschen im technologischen Zeitalter. Steyerl verbindet die Untersuchung visueller Massenkultur mit einem Nachdenken über künftige Entwicklungen und versteht ihre Kunstpraxis als Möglichkeitsraum politischen Handelns, in dem Hegemonien aufgebrochen und Utopien modellhaft formuliert werden können.

Anlässlich ihrer Einzelausstellung im Neuen Berliner Kunstverein sprechen Nora M. Alter, Klaus Theweleit und Doreen Mende über das Werk von Hito Steyerl. Ausgehend von den im n.b.k. präsentierten Werken und ihrer Bezugnahme auf algorithmische Bildproduktion ebenso wie auf Konsumkultur und Kommodifizierungsmechanismen, sollen die veränderten Bedingungen für heutige Bildproduktion reflektiert werden. Im Zentrum stehen dabei sowohl die Rolle des Bildes als Instrument der Kontrolle, der Gewalt oder der operativen Potenz, als auch seine Bedeutung im Hinblick auf heutige Gesten der Repräsentation.

In deutscher und englischer Sprache


Nora M. Alter ist Wissenschaftlerin im Bereich Vergleichende Film- und Medienkunst und arbeitet als Professorin an der School of Theatre, Film and Media Arts an der Temple University, Philadelphia. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen in den Gebieten Germanistik, Europastudien, Film- und Medienwissenschaft, Kultur- und Bildwissenschaft sowie Gegenwartskunst. Zu ihren diversen Veröffentlichungen gehören unter anderem Vietnam Protest Theatre: The Television War on Stage (1996), Sound Matters (2004), Chris Marker (2006) und zuletzt The Essay Film after Fact and Fiction (2018).

Klaus Theweleit lebt in Freiburg und arbeitet als Literaturwissenschaftler, Kulturtheoretiker und Schriftsteller. Bis 2008 war er Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. 1976 promovierte er mit der Dissertationsschrift Freikorpsliteratur: Vom deutschen Nachkrieg 1918−1923, die als Grundlage für sein 1977/1978 erschienenes zweibändiges Werk Männerphantasien diente, eine der ersten umfangreichen Untersuchungen im Bereich der Männlichkeits- und Gewaltforschung. Im November 2019 erscheint Männerphantasien in einer Neuauflage bei Matthes & Seitz, ergänzt um ein umfangreiches Nachwort Theweleits, das die Analysen des Buches angesichts der Rückkehr faschistoider Positionen und der Ablehnung freier Sexualitäten aktuell einordnet.

Doreen Mende, Kuratorin, Forscherin und Theoretikerin, ist Professorin für Curatorial Politics und Leiterin des CCC Research Master und PhD-Forums an der Haute école d'art et de design, Genf. 2015 gründete sie mit Tom Holert und Volker Pantenburg das Harun Farocki Institut in Berlin. Zu ihren Projekten gehören: „Hamhŭngs Zwei Waisen (Für Konrad Püschel)“ (2018/2019) im Kontext von bauhaus imaginista in Moskau, Berlin und Bern; Navigation Beyond Vision (2019) mit dem Harun Farocki Institut und e-flux journal im Haus der Kulturen der Welt, Berlin; „The Undutiful Daughter’s Concept of Archival Metabolism“ (2018) für e-flux journalThe Navigation Principle (2017) im Dutch Art Institute. Darüber hinaus veröffentlichte sie u. a. bei Sternberg Press und im Oxford Handbook for Communist Visual Cultures (2019). Mende ist Initiatorin des Forschungsprojektes Decolonizing Socialism. Entangled Internationalism, gefördert von der Swiss National Science Foundation (2019–2023), und Mitbegründerin des kollaborativen Recherchenetzwerks European Forum for Advanced Practices (EFAP). Sie lebt in Berlin und arbeitet in Genf.