Techfaschismus. Macht und Autoritarismus im digitalen Raum
Samstag, 25. April 2026, 17:00 Uhr
Mit Anna-Verena Nosthoff (Juniorprofessorin für Ethik der Digitalisierung, Universität Oldenburg) und Paul Feigelfeld (Professor für Digitalität und kulturelle Vermittlung, Universität Mozarteum Salzburg), moderiert von Christine Watty (Journalistin, Deutschlandfunk Kultur)
Was einst als Verheißung technokratischer Regierung erschien – das Potenzial einer rationalen, effizienten und neutralen Politik –, zeigt sich zunehmend als Spielfeld neuer autoritärer Formationen. Digitale Infrastrukturen wie die sozialen Medien und KI-basierte Anwendungen werden von Tech-Monopolen entwickelt, betrieben und kontrolliert. Eine Konsequenz dieser enormen Machtkonzentration ist die Beeinflussung subjektiver Meinungsbildung und politischer Entscheidungsprozesse durch einige wenige Akteure. Diese nutzen vermehrt die Möglichkeiten der algorithmischen Steuerung, Sichtbarkeit und Priorisierung von Inhalten für die Verbreitung rechtslibertärer Ansichten, die ihre eigenen marktwirtschaftlichen Interessen fördern. Gleichzeitig verschärfen die neuen datengetriebenen Systeme die Möglichkeiten der Verhaltenslenkung und Überwachung und statten autoritäre und protofaschistische Regime so mit einer infrastrukturellen Grundlage zur Durchsetzung und Stabilisierung der eigenen Herrschaft aus.
Vor diesem Hintergrund geben Anna-Verena Nosthoff und Paul Feigelfeld zunächst durch Impulsvorträge Einblicke in die Ursprünge, Ideologien und Logiken autokratischer Technisierung. Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Christine Watty, wird u. a. besprochen, wie sich in diesem techno-politischen Gefüge neue Formen der Kontrolle, Normierung und Subjektivierung herausbilden und welche kulturellen Strategien und politische Regulationsmechanismen dagegen mobilisiert werden könnten.
Eintritt frei
Teilnehmer*innen
Paul Feigelfeld ist Kultur- und Medienwissenschaftler. Er ist Professor für Digitalität und kulturelle Vermittlung und Teil des Instituts für Open Arts an der Universität Mozarteum Salzburg, sowie Ko-Direktor des Data Arts Forum. Von 2021–2024 war er Professor für Wissenskulturen im digitalen Zeitalter am Institut für Designforschung der HBK Braunschweig, zudem war er Gastprofessor am Lehrstuhl für Medientheorien der Humboldt-Universität zu Berlin (2024–2025). Seine Arbeit erforscht transkulturelle und transmediale Ansätze zur Medien- und Wissensgeschichte, kritische Perspektiven auf Technologien und deren Schnittstellen mit Politik, Kunst und Design. Er arbeitet als Berater für Kunstinstitutionen wie das Haus der Kulturen der Welt in Berlin sowie das Vitra Design Museum und das MAK Museum für Angewandte Kunst in Wien, wo er für Uncanny Values. Künstliche Intelligenz & Du Gastkurator im Rahmen der Vienna Biennale 2019 war.
Anna-Verena Nosthoff ist Juniorprofessorin für Ethik der Digitalisierung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Ko-Direktorin des Critical Data Lab (Humboldt-Universität/Universität Oldenburg). Zuvor war sie Dozentin, Gastwissenschaftlerin und Fellow u. a. an der London School of Economics and Political Science, an der Princeton University, der Universität Wien und am Weizenbaum Institut. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Digitalisierung und Demokratie, plattformökonomische Macht-, Regierungs- und Herrschaftsformen, die Politik sozialer Netzwerke sowie die Geschichte und Kritik der Kybernetisierung. Im Februar 2026 erschien ihr Buch Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst bei Suhrkamp.
Christine Watty ist Journalistin und lebt in Berlin. Ihre Themengebiete sind Kultur, Gesellschaft und Digitales. Nach Jahren als freie Autorin und Moderatorin arbeitet sie seit 2016 bei Deutschlandfunk Kultur, wo sie bis 2024 als Redaktionsleiterin für Digitales Audio tätig war. Zudem ist sie Kulturredakteurin und Moderatorin und entwickelt und betreut Podcast-Formate für den Deutschlandfunk mit, wie beispielsweise Tech Bro Topia.
