Katja Strunz. Future Collapses, Past Rises
14. März 2026 – 3. Mai 2026
Kuratorin: Michaela Richter
Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) präsentiert mit Future Collapes, Past Rises eine neue Ausstellung von Katja Strunz, die zahlreiche Ansätze und Techniken der Künstlerin vereint. Gezeigt werden Skulpturen aus lackiertem Stahl, die auf Prinzipien des Einfaltens und -fallens verweisen, sowie origamiartige Collagen, die auf hochauflösenden Satellitenbildern einer sich durch den Einfluss des Menschen verändernden Erdoberfläche basieren. Beide Werkgruppen zeugen von einer Balance zwischen Werden und Vergehen und betonen mit der Vielzahl der Perspektiven, die der künstlerische Prozess des gezielten Faltens des Materials hervorbringt, die Potentialität eines ständigen Wandels. Die ausgewählten Arbeiten werden ergänzt um gefundene Objekte sowie neue zeitgeschichtliche Bezüge. Der n.b.k. Showroom wird zum Ort sich stets neu in Beziehung setzender Vergangenheiten und einer brüchig bleibenden Zukunft.
In ihrer Werkreihe In Formation (2025) arbeitet die Künstlerin dabei erstmals mit Satellitenbildern des von NASA-Wissenschaftlern gegründeten Analyseunternehmens Planet Labs PBC, die die Erdoberfläche mit einer Datenerfassungsrate von über 30 Terabyte pro Tag kontinuierlich dokumentieren. Eine Auswahl der so entstandenen Fotografien wird von Strunz gefaltet und miteinander collagiert. In immer neuen Konstellationen definiert sie die Grenzen der abgebildeten Landschaften neu und lässt sie in ebenso kristallinen wie körperlichen Strukturen aufeinandertreffen. Begleitet werden sie in der Ausstellung im n.b.k. durch zahlreiche weitere Collagearbeiten mit handgeschöpftem und handgefärbtem Papier, den so genannten Pulp Paintings, die die Bandbreite von Strunz’ Arbeit mit dem Medium Papiercollage verdeutlichen.
Als Kontrapunkte sind den Wandarbeiten Metallskulpturen zur Seite gestellt, die ebenfalls auf dem Prinzip der Faltung basieren und mit der Vielzahl ihrer möglichen Betrachtungswinkel zusätzlich die Zeitlichkeit jeder Raumerfahrung betonen. Zentral für die Dynamik, die in den Werken von Katja Strunz zum Ausdruck kommt, ist eine Sequenzialität ohne feste Reihenfolge: Das Einfalten, Umfalten und Neufalten, das die Arbeiten verkörpern, steht für eine non-lineare Zeitordnung, die immer neue Verbindungen hervorbringt. Kontinuitäten werden durch Momente der Kompression, der Fragmentierung oder des Stürzens ausgesetzt, die Idee einer final zu erreichenden Idealform in Frage gestellt und durch ein ständiges Ein-, Um- und Aufbrechen ersetzt.
Katja Strunz (*1970 in Ottweiler / Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist bekannt für ihre Skulpturen, Wandarbeiten, umfangreichen Installationen sowie Papierarbeiten, in denen sie sich mit der Interaktion von Zeit und Raum beschäftigt. Schon während ihrer Studienzeit feierte sie erste Erfolge mit präzisen Interventionen in bestehende Architekturen, seit Anfang der 2000er Jahre hat sie ihre Auseinandersetzung mit philosophischen und physischen Prinzipien der „Raumzeit“ kontinuierlich weitergetrieben und basierend darauf eine abstrakte Formensprache entwickelt, die sie in zahlreiche Materialien überträgt. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen präsentiert, u. a.: Muzeum Sztuki, Łódź (2025); Kestner Gesellschaft, Hannover (2023); Pinakothek der Moderne, München (2020); Kunstmuseum Bonn (2020); Indianapolis Museum of Contemporary Art (Solo, 2019); Haus Konstruktiv, Zürich (2019); São Paulo Biennale (2013); Berlinische Galerie (Solo, 2013); Camden Arts Centre, London (Solo, 2009); Centre Pompidou, Paris (2009); Carnegie Museum of Art, Pittsburgh (2008); Museum Haus Esters, Krefeld (Solo, 2006).
