Guerrilla Girls
10. September 2026 – 29. August 2027
Kurator: Sergio Edelsztein
Seit über 40 Jahren rütteln die Guerrilla Girls am Gewissen der Kunstwelt. Mit bissigem Humor und provokanten Slogans in visuell auffälligen Plakatkampagnen verdeutlichen sie Ungleichheiten in Bezug auf Gender und race im internationalen Kunstbetrieb und darüber hinaus. Dabei prangern die Guerrilla Girls insbesondere institutionelle Strukturen an, in denen der weiße, männliche und heteronormative Status Quo dominiert. Die anonyme Präsenz der Guerrilla Girls – die Mitglieder des Kollektivs sind stets mit Gorillamasken verkleidet und nutzen statt ihrer eigenen Namen die von verstorbenen Künstlerinnen wie Frida Kahlo und Käthe Kollwitz – ist ein radikaler Akt in einer von Ego und Ruhm getriebenen Kunstwelt. Die Wahrung ihrer Anonymität lenkt den Fokus nicht auf die jeweiligen Künstlerinnen hinter den Masken, sondern auf die künstlerische Botschaft selbst, die klar, scharf und kompromisslos vermittelt wird. Durch den Einsatz von im Stadtraum platzierten Billboards, Plakaten und Aufklebern verhindert das Kollektiv zugleich, dass seine Kunst als Ware vom Kunstmarkt vereinnahmt wird.
Die Kritik der Guerrilla Girls an der Diskriminierung und Objektifizierung von Frauen erfolgt nicht pauschal, sondern bezieht sich stets auf den jeweiligen Ort, an dem die Gruppe aktiv ist. So ist die neue und eigens für die Fassade des n.b.k. produzierte Arbeit auf Deutsch verfasst, um nicht nur Anhänger*innen der internationalen Kunstszene, sondern alle Passant*innen in der Chausseestraße zu adressieren. Die in der Arbeit verwendeten weiblichen Nacktabbildungen von Kunstwerken stammen aus Berliner Institutionen und sind den Betrachter*innen womöglich vertraut. Mit ihrer direkten Ansprache fordern die Guerrilla Girls konkret dazu auf, sich das Missverhältnis zwischen Künstlerinnen und weiblichen Akten in den lokalen Sammlungen zu vergegenwärtigen – womit gleichzeitig ein Bewusstsein für die Kultur geschaffen wird, die diese Ungleichheit bis heute prägt.
Die Aktionen der Guerrilla Girls (gegründet 1985 in New York) wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, u. a.: Getty Research Institute, Los Angeles (2025); Tate Modern, London (2023); Whitney Museum of American Art, New York (2018); São Paulo Museum of Art; Van Gogh Museum, Amsterdam (beide 2017); Museum Ludwig, Köln; Whitechapel Gallery, London (beide 2016); Centre Pompidou, Paris (2009); The Istanbul Museum of Art (2007); Biennale Venedig (2005).
