Hans Haacke. 20 Jahre »DER BEVÖLKERUNG« im Deutschen Bundestag. Eine Projektdokumentation.

10. September 2020 – 15. Januar 2021



Hans Haacke. 20 Jahre »DER BEVÖLKERUNG« im Deutschen Bundestag. Eine Projektdokumentation, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2020 © Foto: n.b.k. / Jens ZieheHans Haacke. 20 Jahre »DER BEVÖLKERUNG« im Deutschen Bundestag. Eine Projektdokumentation, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2020 © Foto: n.b.k. / Jens Ziehe
Aktueller Hinweis
Aufgrund der aktuellen Anordnungen des Berliner Senats bleiben die Ausstellungen des n.b.k. vom 2.–30.11.2020 geschlossen.


Kurator: Oliver Schwarz

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von
DER BEVÖLKERUNG werden im Showroom des Neuen Berliner Kunstvereins Dokumente und Archivalien zur Entstehung und Rezeption des einst kontrovers diskutierten Kunstprojekts von Hans Haacke gezeigt. Der Künstler entwarf dieses partizipatorische Projekt 1998 auf Einladung des Deutschen Bundestages für den nördlichen Lichthof des Reichstagsgebäudes. Nach einer heftigen Bundestagsdebatte wurde sein Vorschlag in einer namentlichen Abstimmung mit knapper Mehrheit angenommen. Am 12. September 2000 wurde die Arbeit eingeweiht. Inspiriert durch einen Kommentar von 1934 in Bertolt Brechts Aufsatz „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“, nimmt Haacke mit der Widmung DER BEVÖLKERUNG Bezug auf die 1916 am Giebel des Westportals des Reichstagsgebäudes angebrachte Inschrift „DEM DEUTSCHEN VOLKE“. Vom Boden eines Holztrogs strahlen nun seit 20 Jahren Neonbuchstaben in der Schrifttype des Westportals die ergänzende Widmung DER BEVÖLKERUNG zum Himmel. Der Einladung des Künstlers folgend, haben inzwischen mehr als 400 Bundestagsabgeordnete einen Zentner Erde aus ihrem jeweiligen Wahlkreis um die Widmung im Holztrog ausgestreut. In der Erde mitgeführte Samen ließen einen gärtnerisch nicht geregelten Pflanzenwuchs entstehen.


Hans Haacke (*1936 in Köln), lebt und arbeitet seit 1965 in New York, wo er zuletzt als Professor an der Cooper Union unterrichtete (1967–2002). Haacke ist bekannt als eminente Gründungsfigur der Institutional Critique und sucht in seinen Arbeiten die Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Machtverhältnissen. Galten Haackes frühe Arbeiten im Medium der Skulptur noch der Untersuchung ökologischer Systeme, verband er diese ab Mitte der 1960er Jahre mit einer kritischen Befragung der Machtstrukturen der Kunstwelt in Museen und Galerien. Er schuf in Europa und den USA zahlreiche künstlerische Projekte im öffentlichen Raum sowie in Museen und Institutionen, in denen aktuelle Themen aus den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Politik und kollektives historisches Bewusstsein im Vordergrund stehen. Gemeinsam mit Nam June Paik erhielt Haacke 1993 den Goldenen Löwen für den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Haacke ist mehrfacher Teilnehmer der Biennale Venedig (2015; 2009; 1993; 1976) sowie der documenta (2017; 2002; 1987; 1982; 1972). Darüber hinaus waren seine Arbeiten zuletzt u. a. zu sehen: New Museum, New York (Solo, 2019); Haus der Kunst, München (2017); Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien (2017); Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (2016; Solo, 2012); Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main (2016) sowie in seiner bislang einzigen großen Einzelausstellung in Deutschland in der Akademie der Künste, Berlin, und in den Deichtorhallen, Hamburg (2006).


Führungen zu DER BEVÖLKERUNG im Deutschen Bundestag

Samstag, 12. September 2020, jeweils um 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr
mit Dr. Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags
Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, Anmeldung erforderlich:
Bitte buchen Sie Ihren Termin über unser Onlineformular.



Plakat- und Banneraktion im öffentlichen Raum
Anlässlich der Berlin Art Week 2020 initiiert der n.b.k. die Präsentation von Hans Haackes Werk Wir (alle) sind das Volk (2003/2017) an den Fassaden ausgewählter Partnerinstitutionen in Berlin. Ursprünglich für einen öffentlichen Ideenwettbewerb in Leipzig entworfen, greift Haacke in dieser Arbeit den Slogan ostdeutscher Demonstrant*innen von 1989 auf, um damit die Verbundenheit unter allen Menschen, Migrant*innen und Geflüchteten zu betonen. Ausstellungsorte: Akademie der Künste, Berliner Festspiele/Immersion, Gropius Bau, Haus der Kulturen der Welt, Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Savvy Contemporary, Volksbühne Berlin und andere Partnerinstitutionen.


Publikation
Zur Ausstellung erscheint in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte München eine Publikation, konzipiert von Oliver Schwarz und Ursula Ströbele (Studienzentrum zur Kunst der Moderne und Gegenwart, Zentralinstitut für Kunstgeschichte München) mit Beiträgen von Marius Babias, Hans Haacke, Andreas Kaernbach, Rita Süssmuth, Wolfgang Thierse, u. a.