Sigrid 1930


Still


2009, 00:00:32, PAL, schwarz-weiss, Ton, S021 01


Die Arbeiten von Karin Sander (*1957 in Bensberg, lebt in Berlin) entstehen fast immer im Kontext des jeweiligen Ortes. Dabei greift sie auf Mittel zurück, die im System vorhanden sind und das System gegen sich selbst wenden können. In Sigrid 1930 ist ihr Material privates Found Footage, ein kurzer Ausschnitt aus einem Pathé-Film von 1930 aus dem Familienbesitz der Künstlerin. Der Film zeigt ein kleines Mädchen in weißem Kleid auf einer Waldwiese. Es wirft freudig einen Ball in die Höhe, sucht ihn und wirft wieder, während es auf die Kamera zuläuft und der Loop von Neuem beginnt. Neben der jungen Akteurin sind es aber vor allem die Spuren, die das Filmmaterial im Lauf der Zeit erworben hat, die die Ästhetik des Videos bestimmen: rostfarbene Schimmelspuren, Flecken und Kratzer flackern rhythmisch auf der Bildfläche. Wie auch in ihren Patina- oder Gebrauchsbildern, für die Sander weiß grundierte Leinwände an unterschiedlichen Orten den jeweiligen Einflüssen aussetzte und sie so gleichsam vor Ort entstehen lässt, liegen auch hier die gestalterischen Kriterien außerhalb des künstlerischen Schaffensaktes. Die Verletzlichkeit des Mediums Film wird zum Inhalt mit eigenem ästhetischen Wert.