Phänomene und Codes


Still


1998, 00:25:08, PAL, Farbe, Ton


Sandra Becker arbeitet seit 1991 mit Fotografie, Film und Video; sie stellt Wahrnehmungsprozesse und das Thema von Zeit und Raum in den Mittelpunkt ihres Werks. Die in Bonn, Ankara, Lima und New York aufgewachsene Künstlerin richtet ihren Blick auf die Metropolen und deren urbane Strukturen, die sie jedoch nicht in Bezug auf konkrete soziale, architektonische oder historische Gegebenheiten untersucht, sondern vielmehr als räumliche Strukturen von Zeit und „transitorischen Zonen des Vermittelns“ (Horst Bredekamp) begreift. Ihr Blick konzentriert sich auf den Aspekt der Mobilität, der Bewegung von Menschen im Raum, zum einen im Sinne der messbaren, der physikalischen Zeit und zum anderen im Sinne der subjektiven, individuellen Erfahrung von Zeit. Sie verfolgt nicht das Ziel, den urbanen Raum abzubilden, sondern vielmehr reduzierte und fragmentierte Erzählstrukturen zu entwickeln. Ihre Vorgehensweise ist intuitiv und poetisch, sie operiert mit Wiederholungen, Beschleunigungen und Verlangsamungen, mit Unschärfen und reduzierter Farbigkeit und multiplen Kamerastandpunkten, um ihren Bildern eine „Poesie des Wartens“ (Becker) zu verleihen.
In
Phänomene und Codes kombiniert die Künstlerin Aufnahmen von konkreten Gebäuden, wie dem Berliner Fernsehturm, mit abstrakteren Bildern von Hochhäusern, Baustellen, Kränen, aber auch den BewohnerInnen der Metropolen: PassantInnen in Bewegung im öffentlichen Raum, Wartende, BüromitarbeiterInnen und Bauarbeiter. Eine quadratische Fahrbahnmarkierung in New York wird aus allen Richtungen immer wieder von Fahrzeugen durchschnitten. Becker kombiniert die einzelnen Segmente im Vorwärts- und Rückwärtslauf beständig neu und unterlegt sie mit Textfragmenten aus dem Off, die Behauptungen aufstellen und diese sofort wieder in Frage stellen. Sie schafft auf diese Weise Erfahrungsräume, in denen der Blick entschleunigt wird.



siehe auch:
Phänomene und Codes