November


Still


2004, 00:25:14, PAL, Farbe, Ton, S015 02


Hito Steyerl (*1966 in München, lebt in Berlin) bestimmt maßgeblich den Diskurs um den Documentary Turn seit den 1990er Jahren mit. Sowohl ihre theoretischen Texte als auch künstlerischen Arbeiten in den Medien Video, Film und Performance beschäftigen sich mit postkolonialer und feministischer Repräsentationskritik, wobei sie das Dokumentarische durch Strategien der Fiktionalisierung aufbricht und durchdringt. In November kehrt sie – wie auch später in Lovely Andrea – zu Bildern aus der eigenen Vergangenheit zurück. In den 1980er Jahren drehte Steyerl als Siebzehnjährige auf Super-8-Material einen feministischen Martial-Arts-Film im Stil des Exploitationkinos. Ihre beste Freundin Andrea Wolf spielte darin die Hauptrolle einer kämpferischen Frau in Lederkluft und mit Motorrad. Während Steyerl ihr politisches Engagement mit den Mitteln der Medienkunst fortsetzte, folgte Andrea ihrer Rolle im Film und ging als Kämpferin auf der Seite der PKK in die kurdischen Gebiete in der Türkei und im Nordirak, wo sie 1998 getötet wurde. In kurdischen Kreisen wird sie als „unsterbliche Revolutionärin“ verehrt, ihr Bild wird auf Demonstrationen mitgetragen. Steyerl setzt ihrer Freundin in diesem Film ein Denkmal und untersucht darüber hinaus die Rolle von Bildern im post-revolutionären Moment sowie die Bedeutungsverschiebung von „Internationalismus“ hin zu „Terrorismus“. Das fiktive Material wird darin zu einem Dokument, das die Bedeutung des politischen Gedächtnisses in Frage stellt, zu einer Zeit, in der die Revolution vorbei zu sein scheint und nur noch ihre Gesten im medialen Umlauf sind.