In Free Fall


Still


2013, 00:33:42, 1080i50, Farbe, Ton, S024 01


Hito Steyerl (*1966 in München, lebt in Berlin) bestimmt maßgeblich den Diskurs um den Documentary Turn seit den 1990er Jahren mit. Sowohl ihre theoretischen Texte als auch künstlerischen Arbeiten in den Medien Video, Film und Performance beschäftigen sich mit postkolonialer und feministischer Repräsentationskritik, wobei sie das Dokumentarische durch Strategien der Fiktionalisierung aufbricht und durchdringt. In Free Fall ist eine filmische Trilogie (bestehend aus Before the Crash, The Crash und After the Crash) und setzt die Künstlerin selbst ins Bild, wie ihr beim Ablesen eines Textes über die Wandlungsfähigkeit technischer Dinge ein Versprecher unterläuft: „Die Materie liebt weiter“ statt „Die Materie lebt weiter“. Dieser Fehler wird zum Katalysator der verschiedenen Versatzstücke des Films, der Lebens- und Liebeszyklen von Dingen miteinander verwebt. Ein Flugzeugschrottplatz in der kalifornischen Wüste und Bilder von Flugzeugwracks werden zum Sinnbild für die derzeitige Wirtschaftskrise und den Börsencrash. Der Besitzer des Schrottplatzes berichtet von ökonomischen Erfolgen in Krisenzeiten: Hollywood, die Chinesen – sie alle brauchen teuer zu bezahlenden Flugzeugschrott für die globale Unterhaltungsindustrie, sei es in Form von spektakulären Bildern oder in Form des Rohstoffs Aluminium, der als Beschichtungsmaterial für die DVD-Produktion recycelt wird. Das Motiv des Recycelns wiederum ist in In Free Fall auch in Bezug auf Steyerls künstlerische Umsetzung präsent, wenn sie Found Footage-Aufnahmen verwendet und in neue inhaltliche Zusammenhänge überführt.