Coffee


Still


2006, 00:25:20, 1080i50, Farbe, Ton, E018 01


Ayşe Erkmens (*1949 in Istanbul, lebt in Istanbul und Berlin) Arbeiten reichen von architektonischen oder räumlichen Interventionen im öffentlichen Bereich, Skulpturen und Objekten über die Sprache bis zu akustischen Eingriffen, die sie meist aus ortsbezogenen Situationen heraus entwickelt. Die Annäherung geschieht dabei aus unterschiedlichen Perspektiven, die formaler Natur sein können oder gesellschaftsspezifische Ansatzpunkte haben. Erkmen selbst sagte über ihre Kunst, sie sei „gesellschaftlich einfühlsam und von einer politischen Sensibilität.“ Coffee ist ein kurzer Film über das Kaffeesatzlesen. In einer klassischen Talking Head-Einstellung sieht man abwechselnd den türkischen Kaffeesatzleser und seine Klientin, dargestellt von der Künstlerin selbst, während ein Chow-Chow Zeuge des Geschehens ist. Der Kaffeesatzleser berichtet von Erlebnissen im Leben der Frau und von möglichen Ereignissen der nahen Zukunft, wobei seine Geschichten voller obskurer Figuren, Objekte, Ereignisse, Gerüchte und Klatschgeschichten sind. Die Absurdität kontrastiert mit der nüchternen und gänzlich ungeschnittenen Talking Head-Einstellung der Kamera, was zur Komik des Werks beiträgt. Der Kaffeesatz wird zur Projektionsfläche von Wünschen, Erinnerungen, Spekulationen, Begriffsbildung, Deutung und Verweigerung. Coffee ist ein Film über Vorstellungskraft, über das Verhältnis von Wahrheit und Kunst, die Kunst der Interpretation und eine Spekulation über Intrigen, Klatsch und Gerüchte in der Kunstwelt.