Bilder der Welt und Inschrift des Krieges


Still


1988, 01:13:31, PAL, Farbe, Ton, F016 01


Harun Farocki (*1944 in Nový Jičín, gest. 2014 bei Berlin) war hauptsächlich als Filmemacher, Kurator und Produzent tätig und hat mit seinem Schaffen das Genre des Essayfilms bzw. des experimentellen Dokumentarfilms nachhaltig geprägt. Charakteristisch für seine bild- und medienreflexiven Arbeiten ist die kritische Verbindung zwischen ökonomischen Machtstrukturen, Krieg und Bildern des Menschen sowie die generelle Frage nach dem Konzept des Bildes. Farocki bedenkt dabei die Eigenheit der Kameraeinstellung und kommentiert verwendetes Material wie Fotos und Found-Footage-Material aus Spiel- oder Lehrfilmen mit Brechtschem Selbstverständnis. In Bilder der Welt und Inschrift des Krieges stehen Flugaufnahmen eines amerikanischen Bomberpiloten im Mittelpunkt, die 1944 ein industrielles Bombenziel, die IG-Farben-Werke im damaligen Schlesien, festhalten sollten. Dass auf den Fotos auch das Konzentrationslager Auschwitz abgebildet ist, wurde erst bei der erneuten Auswertung Jahrzehnte später klar, da vorher schlichtweg nicht nach dem Lager gesucht und den angrenzenden Industrieanlagen eine größere kriegsstrategische Bedeutung beigemessen wurde. Davon ausgehend begibt sich Farocki auf die Suche nach dem Zusammenhang von Bildproduktion, Industrie und Kriegspolitik. So werden u. a. die „wirklichkeitsgetreuen“ Zeichnungen des Lagers von dem Auschwitz-Überlebenden Alfred Kantor oder das von einem SS-Soldaten angefertigte Foto von einer Frau auf dem Weg in das Konzentrationslager hinzugezogen, um die verstörende Ambivalenz der Bilder und ihrer Verwertung zu thematisieren.