After the Crash


Still


2009, 00:06:30, PAL, Farbe, Ton, S016 01


Hito Steyerl (* 1966 in München, lebt in Berlin) ist als Künstlerin, aber auch als Theoretikerin tätig, wobei ihr Schaffen stark von der postkolonialen, feministischen Repräsentationskritik bestimmt ist und sie so auch maßgeblich am Diskurs um den sogenannten „Documentary Turn“ beteiligt ist. Dieser konstatiert seit den 1990er Jahren ein verstärktes Auftreten dokumentarischer Formen im Feld der Bildenden Kunst und geht davon aus, dass sich im Kontext der globalen Medialisierung das Verhältnis von Realität und dokumentarischen Formen entscheidend verändert. In ihrem Werk verschränkt Steyerl Aspekte des Dokumentarischen mit Elementen des Fiktionalen, um die mediale Produktion von „Wahrheit“ kritisch zu hinterfragen. After the Crash ist Teil der filmischen Trilogie In Free Fall (mit den dazugehörigen Teilen Before the Crash und Crash), die Aspekte von Wiederverwertbarkeit und den Lebenszyklen von Dingen reflektiert. Im Mittelpunkt von After the Crash steht ein kleiner Flughafen in der kalifornischen Wüste, der als Flugzeugschrottplatz genutzt wird. Die Bilder von Flugzeugwracks werden zum Sinnbild für die derzeitige Wirtschaftskrise und den Börsencrash, während der Besitzer des Schrottplatzes vom Paradox des ökonomischen Erfolgs in Zeiten der globalen Krise berichtet: Während die Wirtschaft scheinbar stagniert, füllt sich der Flugplatz mit ungenutzten Flugzeugen, die auf unterschiedliche Weise wiederverwertet werden. Hollywood, China – sie alle brauchen teuer zu bezahlenden Flugzeugschrott für die globale Unterhaltungsindustrie, sei es in Form von spektakulären Bildern berstender Flugzeuge oder in Form des Rohstoffs Aluminium, der aus den Schrottteilen gewonnen wird und als Beschichtungsmaterial für die DVD-Produktion genutzt wird. Das Motiv des Recycelns ist in After the Crash auch in Bezug auf Steyerls künstlerische Umsetzung präsent, wenn sie Found-Footage-Aufnahmen verwendet und in neue inhaltliche Zusammenhänge überführt und so die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion verschwimmen lässt.