Wie das Baden im Nichts ist. Inneres Feuer – Teil 2


Still


1996, 00:06:38, PAL, Farbe, Ton, K005 08


Die Arbeit Wie das Baden im Nichts ist. Inneres Feuer (Teil 2) gehört zur Videotrilogie Inneres Feuer. Im ersten Teil Wundbrand (1991) rückt Karawahn die als Ergebnis von Prozessen des Schmelzens und Verkochens hervortretenden Flüssigkeiten ins Zentrum des Werks, das von Rottönen dominiert ist. Im zweiten Teil, der Koproduktion des Neuen Berliner Kunstvereins, nimmt Karawahn Anleihen bei den Anthropométrien von Yves Klein. Für diese „Malerei mit lebenden Pinseln“ hatte der Vertreter des Nouveau Réalisme mit blauer Farbe weibliche Körper direkt auf Leinwänden abgedruckt. Im letzten Jahr vor seinem Tod 1962 hatte Klein darüber hinaus als Weiterentwicklung der Anthropometrien Feuerbilder entwickelt, ein Malen mit dem Abdruck des Feuers, dem Klein mythische Qualitäten zuordnete. In Wie das Baden im Nichts ist verbindet Karawahn den Aspekt der Transzendierung der Farbe Blau mit der des Feuers und arbeitet wie Klein ebenso mit „Modellen“ beiderlei Geschlechts, die in einer blauen, an Wasser, aber auch an den kleinsten und reinsten Teil der Flamme erinnernden Substanz schwimmen. Karawahns aufwendige Videomontage bezieht auch Negativbilder der AkteurInnen ein, die dadurch selbst zu orange-roten Feuerkörpern werden und schließlich zu verbrennen scheinen, bevor die experimentell gestaltete Videoarbeit wieder im tiefen Blau ankommt. Wie schon zuvor bei anderen Werken arbeitete der Künstler hier mit dem Sänger der Einstürzenden Neubauten Blixa Bargeld zusammen, der die menschliche Stimme als Rohmaterial seiner Komposition nahm und diese in verschiedenen Samples einsetzte, die an Atmen, Röcheln, Wispern und Schreien erinnern. Der Aktions-, Video- und Fotokünstler Kain Karawahn, der sich nach eigenen Aussagen mit der Beziehungsgeschichte „Mensch und Feuer“ beschäftigt, bezieht sich in seinen Arbeiten immer wieder auf die Erkenntnisse des französischen Philosophen Gaston Bachelard, der in seiner Psychoanalyse des Feuers (1938) in den archetypischen und vorwissenschaftlichen Bildern der Elemente eine eigenständige, andere „Wahrheit“ entdeckte.