Walled Souls


Still


1995, 00:14:36, PAL, Farbe, Ton, L007 12


Antal Lux erlebte das Jahr 1956 zunächst als Zwangsarbeiter in einem Kohlebergwerk im ungarischen Pécs, um sich dann als Angehöriger der „Mecseki láthatatlanok“ („Die Unsichtbaren“) am Widerstand gegen die Sowjetarmee und die Sicherheitspolizei ÁVO zu beteiligen. Nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes flüchtete er nach Deutschland und realisierte neben Ölbildern, Grafiken, Objekten und Installationen auch verschiedene Videoarbeiten, die sich mit der Geschichte des real existierenden Sozialismus und seiner Folgen beschäftigen. Die 1995 entstandene Koproduktion Gemauerte Seelen zeigt den Jugoslawienkrieg unter dem Eindruck der Ereignisse des Kroatienkrieges (1991–1995) und des Bosnienkrieges (1992–1995). Dabei nutzt Lux verschiedene Quellen bewegter Bilder, wie Amateuraufnahmen, Fernsehbilder und selbst gefilmtes Material und setzt diese durch das Splitscreen- und diverse Montage- und Bildbearbeitungsverfahren collageartig ins Bild. Aufnahmen von Raketenangriffen, Explosionen, zerbombten Häusern und Straßenszenen, Bilder von Kriegsopfern, Scharfschützen und der leidenden Zivilbevölkerung erscheinen nebeneinander und miteinander vermischt, wie auch eine historische Herleitung des Jugoslawienkrieges aus dem Zweiten Weltkrieg, Interviewkommentare von Augenzeugen aus kroatischer und serbischer Perspektive, durchsetzt von Zitaten von Ernst Jünger eine differenzierte und mehrdimensionale Sicht auf die Ereignisse ermöglichen. Als strukturgebendes Element flechtet Lux immer wieder Detailaufnahmen der „Zagreber Mauer“ in seine Videocollage ein, eine vor dem UNO-Hauptquartier in Zagreb von Angehörigen der Kriegstoten errichtete Mauer, deren einzelne Ziegelsteine jeweils den Namen eines Kriegsopfers oder einer zerstörten kroatischen oder bosnischen Stadt tragen. Neben der Mauer inspiriert ein weiteres symbolträchtiges Bauwerk im Video den Titel der Arbeit: die kriegszerstörte und inzwischen wieder aufgebaute Brücke von Mostar (Starimost), die 1566 von dem osmanischen Baumeister Mimar Hayreddin errichtet wurde und dessen Körper und Seele der Legende nach in der Brücke eingemauert sein sollen.