Strike


Still


2010, 00:00:35, Full-HD, Farbe, Ton, S019 01


Hito Steyerl (*1966 in München, lebt in Berlin) bestimmt maßgeblich den Diskurs um den Documentary Turn seit den 1990er Jahren mit. Sowohl ihre theoretischen Texte als auch künstlerischen Arbeiten in den Medien Video, Film und Performance beschäftigen sich mit postkolonialer und feministischer Repräsentationskritik, wobei sie das Dokumentarische durch Strategien der Fiktionalisierung aufbricht und durchdringt. Lovely Andrea (2007) etwa dokumentiert die Suche nach einer Fotoserie, für die die Künstlerin während ihres Studiums in Japan als Rope-Bondage-Modell posierte. Die Interviews mit möglichen Fotografen und Produzenten der auf Bondage spezialisierten Erotikindustrie verknüpft sie mit Found Footage zu Spiderman, Bildern von gefesselten Häftlingen in Guantánamo Bay, Abu Ghuraib oder Arbeiterinnen in Textilfabriken zu einem dichten assoziativen Netz pop-kultureller und politischer Bezüge. Strike, bislang Steyerls kürzester Film, zeigt einen sehr direkten medienkritischen Akt: Mit Hammer und Meißel nähert sich die Künstlerin einem schwarzen LCD Flatscreen, setzt an und lässt ihn mit einem gezielten Schlag zersplittern. Die Risse in der Oberfläche und die daraus resultierenden Spiegeleffekte ergeben ein neues, abstrakt-ästhetisches Bild, das wiederum an frühe Experimente der Videokunst denken lässt. Mit ihrer einschlagenden Geste erinnert uns Hito Steyerl an die physische Realität medialer Bilder.