Songs of my Childhood, Part One: Songs to Get Rid Of, Part Two: Songs to Keep


Still


2014, 00:11:51, PAL, Farbe, Ton


Der Künstler, Dichter und Aktivist Jimmie Durham (*1940 in Washington/Arkansas, lebt in Berlin) begann 1964 als Bildhauer zu arbeiten und war gleichzeitig seit den frühen 1960er Jahren − selbst aus dem Volk der Cherokee stammend − in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung politisch aktiv. International bekannt wurde Durham in den 1980er Jahren mit Objekten und Skulpturen, die sich ironisch auf eurozentristische Vorstellungen von „Indianerkunst“ bezogen. Das Verhältnis zwischen Geschichte und Umwelt, Architektur und Monumentalität sowie eine kritische Haltung gegenüber politischen Machtverhältnissen und Narrationen nationaler Identität stehen oft im Zentrum seines künstlerischen und literarischen Werks. In Skulpturen, Film- und Videoarbeiten, Zeichnungen und Texten beschreibt Durham Verhaltensweisen und Normen des Zusammenlebens in unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaftsformen. In der Videoarbeit Songs of My Childhood singt Durham Lieder aus seinen eigenen Kindheitstagen, wobei er diese in zwei Gruppen klassifiziert. Im ersten Teil präsentiert er die Lieder, die er aus seinem Gedächtnis verbannen möchte (Part One: Songs to Get Rid of) und stellt diese den im zweiten Teil präsentierten Liedern gegenüber, an die er sich weiterhin erinnern möchte (Part Two: Songs to Keep). Die Arbeit entspricht damit einer sehr persönlichen Introspektion Durhams, die gleichzeitig die Mechanismen subjektiver und gemeinschaftlicher Geschichts- und Gedächtnisgenerierung zum Thema macht und damit auch die Herausbildung eines kulturellen Kanons hinterfragt. Dementsprechend provoziert Durham mit Songs of My Childhood eine kritische Reflexion über die eigene Sozialisation bzw. Konstituierung von individueller und kollektiver Identität und Erinnerung.