Reversible Prozesse


Still


1971, 00:22:56, PAL, Farbe, Ton, K001 01


Wolf Kahlen ist ein Medien- und Objektkünstler, er gehört zu den deutschen Videopionieren. 1969 entsteht seine erste Videoskulptur TV-Spiegel mit einem Fernsehapparat, es folgen weitere künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Medium TV. Es entstehen Videoarbeiten wie S.C.H.A.F.E. (1975), die auch installativ gezeigt werden. Charakteristisch für Kahlen ist das Experimentieren mit ästhetischen Grenzerfahrungen und das Einbeziehen der BetrachterInnen, so in seiner ADA2-Schule (1974) innerhalb der Ausstellung Aktionen der Avantgarde (ADA2). In der Schule werden sowohl die beteiligten KünstlerInnen wie Amelith, Daniel Buren, Jochen Gerz, Edward Kienholz oder Jannis Kounellis mit ihren Beiträgen vorgestellt als auch die gesellschaftliche Rolle von Kunst in Opposition zu bürgerlich-tradierten Vorstellungen diskutiert. Aufgrund der Intermedialität seiner „bandlosen“ Videoskulpturen bezeichnet sich Kahlen als „Medienbildhauer“. 1971 wurde die damalige Videothek des Neuen Berliner Kunstvereins mit dem 16mm-Film Reversible Prozesse des Gründungsmitglieds Kahlen eröffnet. In sieben Versuchen zeigt der erste Film Kahlens Körperexperimente, die eigens für die Kamera inszeniert wurden. Mit diesen Versuchen lotet Kahlen das Verhältnis zur statisch fixierten Filmkamera und zum Fotoapparat aus: Das Bewegtbild ermöglicht eine neue raum-zeitliche Erfahrung sowie die vollständige Dokumentation der reversiblen Prozesse. In Trespassing geht Kahlen durch eine Wand und analysiert dabei jeden einzelnen Schritt. Anhand eines weißen Quadrates auf der Rückenhaut werden in Selbstversuch IV sich bildende und verschwindende Bräunungsstufen gezeigt. Immer verhält sich der Körper zu Elementen des Raumes wie gebaute Umwelt (Wand) oder natürlichen Kräften (Licht). Kahlen bietet mit seinen Filmen kommunikative Modelle zur Bewusstseinsbildung der BetrachterInnen an und vermittelt Realität immer als einen aktiv reproduzierten und wiederholten Vorgang.