Seven Exercises


Still


2004, 00:06:50, PAL, Farbe, Ton, C005 02


Olga Chernyshevas (*1962 in Moskau, lebt in Moskau) Foto- und Videoarbeiten zeichnen seismografisch die Lebensrealität im postsowjetischen und frühkapitalistischen Russland auf und zeigen anhand von oft scheinbar unspektakulären Alltagssituationen das Ausmaß des Wandels, aber auch die Träume und Sehnsüchte der Menschen. Die poetische Videoarbeit Seven Exercises ist unterlegt mit Klavierübungen der Tochter der Künstlerin. Nach einem kurzen Blick auf das musikalische Übungsbuch widmet sich das Video sieben kurzen Notizen über sieben einzelne Menschen, die – seltsam entrückt – im Stadtraum kleine Handlungen ausführen, die der Wahrnehmung üblicherweise entgehen: Ein körperlich behinderter Mann geht eine leere Straße entlang und benutzt einen Karton anstelle einer Krücke; eine Frau läuft in der Dämmerung auf einem verlassenen Teich Schlittschuh; eine junger Mann tanzt selbstvergessen im nächtlichen Dunkel auf einer Treppe. Chernysheva zeichnet diese verlorenen Momente von unbekanntem Leben auf und bezeichnet die Handlungen ihrer sieben ProtagonistInnen als „sieben Übungen“, so als würden sie eine geheimnisvolle Sportart praktizieren, parallel zu den Fingerübungen der Tochter.