Seins Fiction II, Der Unbesiegbare


Still


1982 – 1983, 00:21:47, PAL, schwarz-weiss, Farbe, Ton, H007 02


Die Dekonstruktion von Mechanismen der Populärkultur, insbesondere mit Bezug auf ikonische Superhelden, spielt im Frühwerk von Gusztáv Hámos eine entscheidende Rolle. In Seins Fiction II. Der Unbesiegbare bezieht sich Hámos auf die auf einem Comicstrip basierende Filmserie Flash Gordon’s Trip to Mars (1938) mit Buster Crabbe als Flash Gordon und Jean Rogers als Dale Arden sowie ein deutschsprachiges „08/15 Science-Fiction-Hörspiel“, wie der Abspann angibt. In der Figur des Superhelden Flash Gordon überlagern sich verschiedene massenkulturelle Produktionen, auf die sich Hámos kritisch bezieht, die er fragmentiert und als Found Footage – in Form von Bildzitaten aus der Hollywood-Filmserie und dem Ton des deutschen Hörspiels – verwendet und mit eigenen, teilweise nachbearbeiteten Bildern kombiniert. Von zentraler Bedeutung ist, dass Seins Fiction II zweigeteilt aufgebaut ist: Teil 1 wird mit „Objektiver Blick“, Teil 2 mit „Subjektiver Blick“ überschrieben. Beide Teile sind von gänzlich unterschiedlicher Machart: Teil 1 ist bildlich stark reduziert und zeigt vornehmlich Close-ups von Hámos’ Gesicht, der die Erzählung über die Bedrohung und Rettung der Erde durch den Superhelden in der Rolle des Flash Gordon performt, wobei er die Ereignisse durch reduzierte Mimik und zum Hörspieltext des Superheldens synchrone Lippenbewegungen „nachspielt“. Teil 2 hingegen besteht größtenteils aus Super8-Außenaufnahmen: Luftansichten einer Landschaft, Bilder vom Brüssler Atomium, das in Hámos’ Werk als Raumschiff fungiert, ein Helikopter als feindlicher Roboter, ein Waldweg, der durch Überlagerung mit einer Flamme in Brand gerät. Durch die Zweiteilung eröffnet Hámos einen Diskurs über „das Verhältnis von Video (als objektiver Blick) und Film (als subjektiver Blick)“ (Hámos), wie auch in seinem Gesamtwerk die Auseinandersetzung mit der medialen Konstruktion von Realität im Bewegtbild eine große Rolle spielt. Diesem Komplex geht der Mitbegründer des ersten internationalen Videomagazins Berlins Infermental in seinem künstlerischen Werk, zuletzt im Medium des Fotofilms, aber auch als Filmkurator nach.