Prag. 8 Minutes in 88.


Still


1988, 00:08:12, PAL, Farbe, Ton, M002 03


Angela Melitopoulos (*1961 in München, lebt in Berlin) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Nam June Paik und ist seit 2013 Professorin an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. In ihren Videoessays und -installationen, experimentellen Dokumentationen, Fotografien und Tonstücken beschäftigt sich Melitopoulos mit der Produktion von Subjektivität und dem kollektiven Gedächtnis im Kontext von Mobilität, Migration und Geografie. Häufig verfremdet sie Bild- und Tonmaterial durch digitale Bearbeitung und lässt dadurch vielschichtige Bildcollagen mit dokumentarisch anmutenden Elementen entstehen. Durch die Bearbeitung können Rückschlüsse auf das Verhältnis zwischen Vorstellungs- und Bildräumen gezogen werden. In Prag. 8 Minutes in 88 schneidet Melitopoulos Aufnahmen der 1. Mai-Parade aus dem Jahr 1988 auf der Letná-Höhe in Prag mit Fernsehaufnahmen kommunistischer Persönlichkeiten zusammen. In den sozialistischen Ländern wurde der 1. Mai als internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus begangen. Die Künstlerin kontrastiert Bilder des Militärs mit Aufnahmen der Bevölkerung, die das Geschehen – ein Jahr vor der Besetzung der Prager Botschaft durch DDR-BürgerInnen im Sommer 1989 – verfolgt. Ungewohnte Einstellungen zeigen Körperhaltungen, die eine erdrückende Leere, unerfüllte Erwartungen und das Festhalten an längst Vergangenem sichtbar werden lassen.