Manifesto of Futurist Woman (Let´s conclude)


Still


2008, 00:10:14, PAL, Farbe, Ton, C006 01


Chișa und Tkáčová befragen in ihren Gemeinschaftsarbeiten Geschlechterverhältnisse sowie ihre Rollen als osteuropäische Künstlerinnen in einer westlich-männlich dominierten Kunstwelt. Der postkommunistische Transformationsprozess mit seinen mehrfachen Brechungen und Diskontinuitäten steckt den inhaltlichen Rahmen vieler ihrer Arbeiten ab. Das bevorzugte Medium der beiden Künstlerinnen ist Video, da es in Osteuropa seinerzeit eher von Künstlern angeeignet wurde. Die Künstlerinnen nehmen sich die Freiheit, die Vergangenheit zu überschreiten sowie ein künstlerisches Medium zu wählen, das sie gewissermaßen der Männerdomäne entreißen. Ohne explizit an feministische Positionen der historischen Neo-Avantgarde anzuschließen, sind viele ihrer Arbeiten geschlechterpolitisch intendiert. Manifesto of Futurist Woman (Let’s Conclude) zeigt eine Gruppe von Majoretten, die mit scheinbar generischen Bewegungen eine Betonbrücke im urbanen Raum überqueren. Anstatt einer gängigen Choreografie zu folgen, vermitteln die Majoretten allerdings eine in Semaphore kodierte Botschaft. Semaphore ist eine Signalsprache aus dem 19. Jahrhundert, die mit Flaggen, Scheiben oder bloßen Händen ausgeführt wird und dazu dient, Information visuell über weite Entfernungen zu übertragen. Das Phänomen der Majoretten, Gruppen von jungen Frauen, die in militärähnlichen Uniformen in Umzügen marschieren, ist ein Relikt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Synchronisierte Bewegungen von Frauenkörpern sowie gekonntes Batonwirbeln bestimmen die Bewegung des Ornaments. Die von den Majoretten in dem Video aufgeführte Botschaft ist der Schlussteil des Manifeste de la femme futuriste, das die französische Künstlerin Valentine de Saint-Point 1912 als Reaktion auf Filippo Marinettis berüchtigten Aufruf „zur Verachtung des Weibes“ in seinem Manifesto del futurismo von 1909 verfasste. De Saint-Points umstrittenes Manifest fordert eine starke selbstbewusste Frau, die dem Mann gleicht, auch wenn die Gesellschaft sie in die Rolle der Reproduktion zwängt und damit schwächt.