I like America and America likes me


Still


1974, 00:37:24, PAL, schwarz-weiss, Ton, B010 02


Joseph Beuys (*1921 in Krefeld, gest. 1986 in Düsseldorf) prägte den Begriff der „sozialen Plastik“. Im Sinne eines erweiterten Kunstbegriffs betrachtete er Kunst als produktive Kraft zur Neugestaltung der Gesellschaft. Film und Video dienten dabei überwiegend der Dokumentation seiner Aktionen, welche für ihn einen Akt der Selbstheilung und sozialen Transformation darstellten. In der Rolle eines modernen Schamanen führte Beuys eigens erdachte mythische Rituale auf, in der jedem Element ein eigener Symbolcharakter zukam. Für I like America and America likes Me inszenierte er vom 21. bis 25. Mai 1974 in der Galerie René Block in New York eine Begegnung mit einem lebenden Kojoten – dem heiligen Tier der amerikanischen UreinwohnerInnen und Ausdruck spiritueller Kräfte, das gleichzeitig als Symbol für Vertreibung und Genozid steht. In eine Filzdecke eingehüllt ließ sich der Künstler bei seinem ersten Amerika-Besuch auf einer Bahre vom Flughafen John F. Kennedy International in die Galerie seines Freundes und Sammlers Block bringen, ohne dabei US-amerikanischen Boden zu betreten. Fünf Tage verbrachte Beuys nur mit der Filzdecke, einem Hirtenstab, einer Taschenlampe und einer täglich aktuellen Ausgabe des Wall Street Journal in einer Zelle mit dem Kojoten. Das Videoband ist Zeugnis dieser ikonischen Aktion.