Global Groove


Still


1975, 00:28:44, NTSC, Farbe, Ton, P002 05


Nam June Paik (*1932 in Seoul, gest. 2006 in Miami/Florida) war ein bedeutender Videokunst-Pionier und wichtiger Vertreter der internationalen Fluxus-Bewegung. Paik erkundete in Musik, Performances und Videoinstallationen die Schnittmenge von Kunst, Technologie und Populärkultur. Er experimentierte bereits 1963 mit der Manipulation von TV-Bildern und schuf die ersten Installationen mit Fernsehgeräten, um das Medium Fernsehen mit den eigenen Mitteln zu kritisieren. Gemeinsam mit Shuya Abe entwickelt er 1969 einen Videosynthesizer zur Erzeugung nichtgegenständlicher Bilder und erprobt Fernseh-Live-Übertragungen via Satellit. In Global Groove sampelt er in stark rhythmisierter Montage TV-Footage aus Werbung, Nachrichten und populären Musiksendungen mit Zitaten aus Werken und Aktionen von KünstlerkollegInnen und eigenen Arbeiten. Wie in seinem Aufsatz Global Groove and Video Common Market (1970) formuliert, ist der Hintergrund der Videoarbeit Global Groove Paiks Vision eines alternativen Fernsehens, das auf einem globalen Austausch von Fernsehproduktionen durch die internationalen Fernsehgesellschaften beruhen soll, um so einer hegemonialen, nationalistisch oder rassistisch gefärbten Sicht auf die Welt zuvorzukommen. Der Titel der Arbeit Global Groove lässt sich auch als Anspielung auf das „global village“ der Medientheorie von Marshall McLuhan (1962/1964) lesen. Die Überlappungen, Gegenüberstellungen und Überblendungen von Fragmenten aus Massenmedien und aus Werken bekannter VertreterInnen der Avantgarde sollen sowohl das Interesse des Kunstpublikums wie der breiten Masse von FernsehkonsumentInnen wecken. Das auch im Fernsehen ausgestrahlte Video verwendet Paik auch für die Installation TV Garden (1977), die wegweisend für seine späteren Multi-Monitor-Arbeiten ist.