Gespenster. Phantoms. Phantômes


Still


1987, 00:21:13, PAL, Farbe, Ton, H022 04


Inspiriert von der Idee, dass Videobilder Objekte und Figuren in Geistererscheinungen verwandeln, verlegt Hulverscheidt in Gespenster. Phantoms. Phantômes die gleichnamige, 1864 veröffentlichte Erzählung Iwan Turgenews von einer dramatischen Liebesbeziehung zwischen einem reichen Gutsbesitzer und einem rätselhaften Gespensterwesen in das Berlin der 1980er Jahre. Endzeitliche Architekturen, Elemente einer New-Wave-Ästhetik, harte Schnitte, Nachtaufnahmen, schnelle Kamerafahrten, Videoüberblendungen und eine experimentelle Soundgestaltung, die immer wieder kurze Fragmente aus Turgenews Erzählung (teilweise in russischer Sprache) mit einbezieht, sind die Elemente dieses Videoexperiments. Hulverscheidt verwendet suggestive Bilder und wendet sich von einer linearen Erzählstruktur ab, um durch die damit verbundene Undurchschaubarkeit einen verstörenden Charakter zu erzeugen. „Ein Film entsteht aus Geistern, besteht nicht aus solchen“, kommentiert Hulverscheidt seine „Gespenster-Phantom-Montage“. Auch Sturz beruht auf der Idee, dass sich die Dinge im Videobild in phantastischer Weise wandeln: Hier sind in das Modell einer Hochhausarchitektur Bilder einer animierten Landschaft, eines Gesichtes und eines Innenraums hineinprojiziert, wobei sich das Licht von den (tatsächlich nur aus Licht bestehenden) „Objekten“ zu lösen scheint. Wie Gespenster. Phantoms. Phantômes ist auch Sturz collageartig gestaltet und stützt sich auf eine literarische Vorlage, die Erzählung The Country of the Blind von H.G. Wells, die von einem Land der Blinden handelt, in dem jedes Wissen über das Sehen verloren ist. Nach solchen Reflexionen über die conditio humana rücken seit Ende der 1980er Jahre zunehmend politische, gesellschaftliche und historische Themen in den Mittelpunkt der filmischen Arbeiten Hulverscheidts, die eine poetische Herangehensweise mit objektiven Inhalten zu verschränken suchen und zwischen Dokumentation und Fiktion changieren. In den letzten Jahren konzipierte und realisierte Hulverscheidt diverse Dokumentarfilme, die auf Filmfestivals und im Fernsehen auf 3sat, Arte und ZDF ausgestrahlt wurden. Neben seiner filmischen Arbeit gestaltet er auch Themenabende.