From My Window 1978-1999


Still


2000, 00:19:09, PAL, schwarz-weiss, Ton, R001 09


Józef Robakowski (*1939 in Poznań, lebt in Łódź) gehört zu den bekanntesten polnischen Film- und Videokünstlern. Nach der Produktion von 16mm- und 35mm- Filmen entstehen ab 1974 auch Videoarbeiten. Er war Mitbegründer bedeutender experimenteller Künstlergruppen wie Zero 61 und Warsztat Formy Filmowej. Sein interdisziplinärer Ansatz schließt performative wie konzeptuelle Tendenzen ein, zudem finden sich zahlreiche Bezüge zum polnischen Konstruktivismus der 1920er und 1930er Jahre. From My Window ist Robakowskis bekannteste Videoarbeit, die über 22 Jahre den sich verändernden Blick aus dem Fenster seiner Wohnung in einem sozialistischen Wohnblock in Łódź zum Ausgangspunkt hat. Der Künstler beobachtet den Übergang Polens vom Sozialismus der Nachkriegszeit in die Zeit der Solidarność in den späten 1980er Jahren und dessen Übergang in die Dritte Republik, den Einstieg Polens in die Marktwirtschaft. Robakowski unterlegt den Schwarz-Weiß-Film, ein 20-minütiges Konzentrat aus dem in über 20 Jahren zusammengetragenen Material, mit vielfach beißenden Kommentaren. Er beschreibt die Alltagshandlungen seiner NachbarInnen, seiner Frau, vorbeiziehender PassantInnen, nennt alle beim Namen und überführt ihre Handlungen in kleine Narrationen, die von Vermutungen und Beobachtungen handeln, von polizeilichen Überprüfungen ebenso wie von Einkäufen. Robakowski beobachtet die Veränderung der Autos, die Umwandlung des Platzes in einen Parkplatz, die Umgestaltung des öffentlichen Raums, die Änderung der Straßennamen und schließlich 1990 das Aufreißen des Platzes vor dem Fenster, auf dem nun ein Fünf-Sterne-Hotel entsteht, mit dessen Errichtung Robakowskis Beobachtung aus dem Fenster endet.