Frankensteins Scheidung


Still


1984, 00:44:41, PAL, schwarz-weiss, Farbe, Ton, F008 01


Die Videoarbeit Frankensteins Scheidung von Monika Funke Stern nimmt das weit in das 19. Jahrhundert zurückreichende Motiv eines künstlich erzeugten Menschen in den Fokus und entwickelt darauf aufbauend ihre eigene Narration von einer künstlich erschaffenen Frau. Diese soll – in Abwandlung des Horror-Dramas – ihren Erzeuger heiraten, verselbständigt sich jedoch immer mehr, so dass die Erzählung in einer Scheidung endet. Funke Stern verwendet eine Vielzahl von gefundenem Filmmaterial, darunter Dokumentaraufnahmen vom Zweiten Weltkrieg, Aufnahmen von Kopfoperationen und Schönheits-OPs und Behandlungen in Frisier- und Kosmetiksalons, Fragmente aus Videofilmen, etwa von Ed Emshwiller, und Ausschnitte aus James Whales Klassiker Frankensteins Braut (1935) sowie gefundenes Tonmaterial über Arbeitsunfälle an Maschinen oder Selbstdarstellungen von Pharmaunternehmen. Diese fügt sie in einer experimentellen Collage zusammen, in der auch immer wieder Videoeffekte durch Chromakey-Verfahren und Computeranimation zum Einsatz kommen. Vielfach ist der Plott von hintergründigem Humor durchdrungen, der einerseits auf die soziale Realität von Frauen Bezug nimmt, die sich durch vielfältige Prozeduren wie Lidstraffungen, Solariumbesuche und Dauerwellen „synthetisieren“, und andererseits auch die eigene Praxis ironisiert, etwa wenn der Begriff „Animation“ mit dem Wort „Beseelung“ in Zusammenhang gebracht wird. Das Motiv der Scheidung kann in Bezug auf die genderkritische Dimension des Films als Element einer Verweigerung interpretiert werden, die in einigen ihrer Arbeiten, so auch in Zum Glück gibt’s kein Patent (1985), immer wieder eine Rolle spielt. Typisch für die Autorin, Regisseurin, Produzentin, Medienkünstlerin und ehemalige Professorin für Film und Video an der Fachhochschule Düsseldorf (1987–2008) ist ihr inhaltliches Engagement und ihre formale Experimentierfreude, bei der sich filmsprachliche Mittel mit elektronischer Bildbearbeitung durchdringen. Das Mitglied der Deutschen Filmakademie veröffentlicht neben Drehbüchern auch theoretische Texte zur Film- und Videopraxis und ist kuratorisch für Kunst- und Medienausstellungen tätig.