Der VW-Komplex


Still


1989, 01:30:00, PAL, Farbe, Ton, B024 01


Der renommierte Filmemacher Hartmut Bitomsky (*1942 in Bremen, lebt in Berlin) reflektiert seine Filmsujets als Symptome ihrer Zeit, indem er sie verschiedenen sozialen und politischen Betrachtungsweisen unterzieht. In oftmals aufwendigen Montagen entstehen essayistische Filmkompositionen, die je nach Sujet minimalistisch, poetisch oder sachlich wirken und denen der eigens komponierte Sound und die Off-Kommentare eine weitere Perspektive hinzufügen. International bekannt wurde Bitomsky, der seine Werke 2010 im Neuen Berliner Kunstverein erstmalig auch als Videoinstallationen im Kunstkontext inszenierte, mit dem Filmprojekt Deutsche Trilogie, das sich mit nationalsozialistischer Ästhetik auseinandersetzt. Dazu zählen die beiden Werke Deutschlandbilder und Reichsautobahn, sowie das Filmessay Der VW-Komplex über das 1938 errichtete Volkswagenwerk in Wolfsburg. Der Film, der historisches und selbst gefilmtes Material verbindet, zeigt nach Aufnahmen eines Autofriedhofs Adolf Hitler auf einem nationalen Automobilkongress von 1935, der in seiner Rede den VW-Käfer als massentaugliches Fahrzeug ankündigt. In eindrücklichen Bildern unternimmt Der VW-Komplex am Beispiel des Vorzeigemodells deutscher Massen- und Kriegsindustrie sowie des Wirtschaftswunders den Versuch einer Archäologie der jüngeren deutschen Geschichte, in deren Verlauf unter anderem das Barackenlager Klein-Moskau zutage tritt, in dem während des Zweiten Weltkriegs russische Zwangsarbeiter untergebracht waren. Das Werk und seine Maschinerie werden dabei zum Sinnbild für die Strukturen einer von oben kontrollierten Gesellschaft.