Das Zauberglas


Still


1991, 00:06:04, PAL, Farbe, Ton, M001 05


Bjørn Melhus (*1966 in Kirchheim unter Teck, lebt in Berlin) gehört zur ersten Konsumentengeneration des Privatfernsehens in Europa. In seinen Videos und Installationen beschäftigt sich der Künstler seit Anfang der 1990er Jahre mit den Möglichkeiten einer kritischen Rezeption der durch Massenmedien geprägten Rollen und Wahrnehmungsmuster. Gesampelte Audiofragmente aus Fernsehen und Popmusik verbindet er mit selbst gedrehtem Videomaterial, wobei Melhus seine in ihrer medialen Welt gefangenen und durch Überzeichnung dekonstruierten Figuren – vom Schlumpf zu James Dean, vom Mädchen Dorothy aus The Wizard of Oz (1939) zum Kriegsheimkehrer – ausschließlich selbst verkörpert. Das Zauberglas ist der erste Film, in dem er selbst auftritt. Ein Mann, der sich den Kopf rasiert, begegnet in einem Fernsehmonitor, der gleichzeitig als Spiegel fungiert, einem Mädchen, das immer wieder erstaunt fragt: „Ist das ein Zauberglas?“ Der fragmentierte und auf Wiederholung basierende Pseudodialog entstammt der deutschen Synchronfassung des Films Der gebrochene Pfeil mit James Stewart (1950): Ein Indianermädchen trifft am Fluss einen Cowboy, der sich mit Hilfe eines Spiegels rasiert.