Das schlafende Mädchen


Still


2001, 00:07:58, PAL, Farbe, Ton, S012 07


Corinna Schnitt (*1964 in Duisburg, lebt in Braunschweig) widmet sich in ihren Videoarbeiten oft beiläufig wirkenden, dabei aufwendig inszenierten Betrachtungen des bürgerlichen Alltags, seinen Besonderheiten und Absurditäten, die sie an der Nahtstelle von Dokumentation und Fiktion ironisch beleuchtet. In Das schlafende Mädchen irritiert sie die BetrachterInnen zunächst dadurch, dass die anfänglich gezeigten Bilder eines Zweimasters mit der Erwartung von Seefahrt und Abenteuer spielen, das Segelschiff sich dann aber als Modellboot entpuppt, das durch den Kanal einer Einfamilienhaussiedlung fährt. Von hier aus nimmt die Kamera die grenzenlose Konformität der menschenleeren und leblosen Siedlung in einer langen Kamerafahrt ins Visier, um schließlich in einem Wohnzimmer auf einer Reproduktion von Jan Vermeers Das schlafende Mädchen (um 1657) zu verweilen. Schnitt verstärkt die Ironie ihres Blicks noch durch die Diskrepanz von Bild und Ton: Im Off ist die Aufnahme eines Anrufbeantworters mit der Nachricht eines Versicherungsvertreters zu hören, der sich bei „Frau Schnitt“ nach dem Verbleib seines beim letzten Verkaufsgespräch vergessenen Kugelschreibers erkundigt.