Berlin-Übungen in neun Stücken


Still


1974 – 1975, 00:39:50, PAL, Farbe, Ton, H023 10


Rebecca Horn gehört zur ersten Generation von Künstlerinnen, die sich mit Performance und Video auseinandersetzen im Zusammenhang mit Fragen nach Raum und Körper sowie Bewegung und Wahrnehmung. In den 1970er Jahren arbeitet sie mit sogenannten Körpererweiterungen, die zugleich die Grenzen zwischen Körper und Maschine aufweichen und mechanisierte rhythmische Bewegungen in den Raum übertragen mithilfe von Masken, Federn oder Handschuhen. Die künstlich evozierten Körperempfindungen bewegen sich zwischen Skulptur (Living Sculpture) und Performance. Diese ästhetisch-räumliche Strategie erweitert Horn später in ihren kinetischen Objekten und Rauminstallationen, in denen die Maschinen zum Subjekt der Handlungen der Künstlerin werden. Gemeinsam mit den Berliner Festspielen entstehen die Berlin-Übungen als inszenierte Performances für die Kamera: Mit beiden Händen die Wände berühren / Blinzeln / Federn tanzen auf den Schultern / Die untreuen Beine festhalten / Zwei Fischchen die sich an einen Tanz erinnern / Räume berühren sich beim Spiegeln / Zwischen den feuchten Zungenblättern die Haut abstreifen / Mit zwei Scheren gleichzeitig Haare schneiden. Die Performances bewegen sich zwischen Raum- und Körpererkundungen, dem Versuch mit einem Papagei zu kommunizieren und surrealen Bild- und Soundexperimenten in einem Berliner Altbauzimmer mit hoher Decke. Die Übungen, das Spiel mit raum- und grenzüberschreitenden Handlungen, beginnen mit dem Vermessen des Zimmers mit scherenartigen Handschuhen. Beim Abschreiten werden beide Seiten gleichzeitig berührt. Hingegen im Close-up uneindeutig behaarter Körperteile sich zwei sehr kleine Fische an einem Stab durch das Dickicht bewegen. Die Übungen enden mit einer radikalen Geste der Künstlerin: Sie schneidet sich „ihre“ langen Haare mit zwei Scheren parallel ab, während der männliche Zuschauer vom Paarungsverhalten der Schlangenmännchen berichtet. Horns Frühwerk ist auch von einer feministischen Gesellschaftskritik beeinflusst.