Nordstern Videokunstzentrum



Nordstern Videokunstzentrum, 2013, Foto: Jens Ziehe

Der Neue Berliner Kunstverein bespielt seit 2012 das Nordstern Videokunstzentrum
im denkmalgeschützten Nordsternturm in Gelsenkirchen. Auf fünf Stockwerken finden im jährlichen Turnus Wechselausstellungen internationaler Videokunst aus den Beständen des 1971 gegründeten n.b.k. Video-Forums statt, der ältesten und einer der größten Videokunstsammlungen Deutschlands mit mehr als 1.600 Werken. Im Rahmen der Ausstellung
A Sense of History im Nordstern Videokunstzentrum präsentiert der Neue Berliner Kunstverein auf fünf Ebenen Videoinstallationen und Filmwerke von 30 Künstlerinnen und Künstlern – darunter eine neue Arbeit von Halil Altındere in Uraufführung. Auf Ebene 9 dient das Stecksystem Ellen (2008) von Silke Wagner als Display für 16 Monitore mit Beiträgen und Dokumenten zur Betrachterpolitik in der Videokunst und für die Präsentation von Frühwerken der internationalen Videopraxis unter dem thematischen Fokus der Arbeit mit und an der Geschichte.

Die von Marius Babias und Kathrin Becker kuratierte Ausstellung
A Sense of History richtet ihre Aufmerksamkeit auf Positionen innerhalb der Videokunst, die alternative Narrative zur gängigen Geschichtsschreibung entwerfen und Geschichte und Gegenwart mittels der Einbeziehung historischer Ereignisse und persönlicher Erfahrungen reflektieren. Bereits in der Entstehungszeit der Videokunst spielt die Verwendung von Fremdmaterial eine große Rolle, wie etwa in den Werken Wolf Vostells und Nam June Paiks, die beispielsweise Fernsehbilder unter Zuhilfenahme von Magneten störten oder kurze Bildsequenzen mit Videosynthesizern technisch bearbeiteten, um sie in rhythmisierten Intervallen zu zeigen. Die Verwendung von gefundenem Material und seine Überführung in neue Kontexte, das „Found-Footage“, ist ein Indiz für die Reflexivität von Videokunst und ihre grundsätzlich kritische Haltung zum Wahrheitsgehalt von (elektronischen) Bildern, wie auch zu den Hegemonieapparaten der Massenmedien. Der alternative Charakter des Mediums, sein Beitrag zur Autonomisierung der ProduzentInnen und die Vielfalt an Bildbearbeitungsmethoden prädestinieren die Videokunst auch für eine kritische Reflexion von Darstellungsweisen historischer Phänomene und damit verbundene Wahrheitsansprüche. In einer Vielzahl von Werken aus der Ausstellung A Sense of History werden private und öffentliche Bilder, Fotografien, Dokumentarmaterial, Sequenzen aus Filmklassikern und Familienaufnahmen zu neuen Narrativen kombiniert, um alternative Sichtweisen auf historische Phänomene zu ermöglichen, Erinnerungsräume zu konstruieren und Formen der persönlichen Aneignung von Geschichte und ihrer damit verbundenen Subjektivierung nachvollziehbar zu machen. Die Ausstellung schlägt dabei von Eduardo Paolozzis Schwarz-Weiß-Film History of Nothing aus dem Jahre 1960/62 als ältestem Werk der Ausstellung bis zu der neuen Produktion des aus der Türkei stammenden Künstlers Halil Altındere Escape from Hell von 2016 einen über fünf Jahrzehnte umfassenden Bogen der kritischen Rezeption von Geschichte in der Videokunst.

A Sense of History.

19. März – 18. Dezember 2016
Eröffnung in Gelsenkirchen: Freitag, 18. März 2016, 18 Uhr

KuratorInnen: Marius Babias und Kathrin Becker

Halil Altındere, Maria Thereza Alves, Yael Bartana, Hartmut Bitomsky, Klaus vom Bruch, Filipa César, Christoph Draeger / Reynold Reynolds, Jimmie Durham, Harun Farocki, Hermine Freed, Dan Graham, Nate Harrison, Helmut Herbst / Friedrich Heubach, Rebecca Horn, Joan Jonas, Angela Melitopoulos, Rabih Mroué, Zoran Naskovski, Marcel Odenbach, Nam June Paik, Eduardo Paolozzi, Hila Peleg, Qiu Zhijie, Oliver Ressler / Dario Azzellini, Mykola Ridnyi, Clemens von Wedemeyer / Maya Schweizer.


Mit Beiträgen und Dokumentationen von: Nora M. Alter, Yael Bartana, Christian von Borries, Gerard Byrne, Yilmaz Dziewior, Wulf Herzogenrath, Erika Hoffmann-Koenige, Kathy Rae Huffman, Sanja Ivekovi
ć, Chip Lord, Antonia Majača, Bartomeu Marí i Ribas, Mark Nash, André Rottmann, Beatrix Ruf, Kerstin Stakemeier, Gregor Stemmrich und Clemens von Wedemeyer.


Freitag, 18. März 2016, 18 Uhr
Eröffnung A Sense of History im Nordstern Videokunstzentrum. Begrüssung durch Ralf Giesen (Geschäftsführer VIVAWEST, Gelsenkirchen) und Kathrin Becker (Leitung n.b.k. Video-Forum), Einführung von Kasper König (Künstlerischer Leiter Skulptur Projekte Münster 2017).


Weitere Informationen unter http://www.nordsternturm.de/