Jeanne Faust
Interview
2003, 9 min, Farbe
Ein alter Mann mit langen weißen Haaren und eine junge Frau, die für einen kurzen Moment im Bild zu sehen ist, sind die Protagonisten dieses Films. Der Mann, der unfreundlich und bedrohlich wirkt, ist der Schauspieler Lou Castel, der u.a. für Rainer Werner Fassbinder ("Warnung vor der heiligen Nutte", 1970/71), Claude Chabrol (Nada, 1974) und Wim Wenders (Der amerikanische Freund, 1977) vor der Kamera gestanden hat. Die junge Frau, die ihn besucht und interviewt, ist Jeanne Faust. Sie versucht vergebens ein Gespräch mit ihm zu führen. Er aber beantwortet ihre Fragen nicht und spielt mit ihr, korrigiert ihre Aussprache und sagt "Ihr Französisch ist schlecht, sprechen wir Englisch." Dann bietet er ihr an, sich die Hände in einem kleinen Kämmerchen zu waschen, und dort scheint er sie zu bedrängen. Er wechselt den Ort des Interviews, setzt sich auf eine Art Couch, macht sich einen Spaß daraus, die Interviewerin zu verstören. Dann plötzlich verabschiedet er sich sehr unhöflich. Sie verläßt die Wohnung, die Kamera aber bleibt. Er blickt aggressiv auf die Kamera, sagt aber nichts mehr und guckt aus dem zuvor geöffneten Fenster.
Kompliziert zu verstehen und fraglich ist, ob die Protagonisten eine Rolle spielen, oder ob die Begegnung zufällig ist. Der Umgang der beiden miteinander wirkt in jedem Fall unnatürlich. Die angebliche Souveränität der Regisseurin wird vernichtet, indem sie zögernd auftritt und den Akteur mit sich spielen lässt.
Der Film bewegt sich im Zwischenraum zwischen Dokument und Fiktion. Der Betrachter erfährt inhaltlich nichts. Diese Verweigerung von Inhalt und Handlung sowie Spannung, die dadurch entsteht, sind jedoch der Kern des Films.
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