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Zeitgenössische Fotokunst aus Südafrika
Ausstellung: 13. Januar
bis 11. März 2007
Eröffnung: 12. Januar 2007, 19 Uhr
Künstler: Bridget Baker, Lien
Botha, Jean Brundrit, David Goldblatt, Pieter Hugo, Santu Mofokeng,
Zanele Muholi, Jo Ractliffe, Mikhael Subotzky, Guy Tillim, Andrew
Tshabangu, Nontsikelelo 'Lolo' Veleko
Kuratorin: Pam Warne/Iziko South African National Gallery
Nach einem Jahrzehnt konsequenter Untersuchung verschiedener Aspekte
der Fotokunst verschiedener Länder scheint es folgerichtig, dass
unsere Ausstellungsreihe diesmal mit der zeitgenössischen
Fotografie eines Landes aus dem fünften und in der Serie bis jetzt
noch nicht beachteten Kontinent fortgesetzt wird. Nach einer viel
beachteten Präsentation vor einem Jahr in der Kunsthalle Wien
(Black Brown White – Fotografie aus Südafrika) zeigt unsere
Ausstellung erstmalig in Deutschland südafrikanische
Fotokünstler, nachdem sie bis jetzt entweder als Teilnehmer von
gesamtafrikanischen Fotoausstellungen oder eingebettet in umfassende
Überblickausstellungen südafrikanischer Kunst zu sehen waren.
Die Ausstellung soll einen Eindruck von den höchst
unterschiedlichen Wegen vermitteln, auf denen im heutigen
Südafrika Fotokünstler eine radikal veränderte Welt
erkunden. Dabei will sie zeigen, wie sich die Fotopraxis in
Südafrika im Wandel der letzten Jahre verändert hat.
Nach einer langen Zeit der politischen Isolation haben die
südafrikanischen Fotografen inzwischen wieder Anschluss an die
internationale Kunstentwicklung gefunden.

David Goldblatt: Entrance to Lategan’s Truck Inn on the N1
in the time of Aids,
Laingsburg. Western Cape. 14 November 2004, 2004
Heute spielt die Fotografie eine wichtige Rolle in der
zeitgenössischen südafrikanischen Kunst. Ihr Interesse gilt
ganz unterschiedlichen Themen und Ausdrucksmöglichkeiten. Sie
kreisen sowohl um die Schilderung der südafrikanischen
Wirklichkeit der Post-Apartheid Periode mit ihrem Kampf gegen gewaltige
Probleme, wie z.B. AIDS und Kriminalität, als auch um Fragen, die
sich mit Herkunft und Tradition, Erinnerung und Vergessen,
Multikulturalität und Geschlechterrollen auseinandersetzen. Der
langjährigen Praxis des politischen Dokumentarismus entwachsen
findet hier eine verstärkte Hinwendung zu scharfer
Beobachtung des südafrikanischen Alltags, des sozialen Milieus und
des gesellschaftlichen Wandels auf dem Weg des nationalen
Selbstfindungsprozesses statt, die durch eine Vielfalt von
individueller Bildästhetik vermittelt wird.
Die Kuratorin der Ausstellung, Pam Warne, gab der Ausstellung die
Überschrift „Reality Check“, die so viel wie
“Realitätsüberprüfung“ bedeutet. Sie meint damit, dass
ein aus jahrelanger Psychose erwachtes Südafrika mit der
umgebenden Realität konfrontiert wird und sich damit abfinden
muss, statt sie zu negieren oder sich Illusionen hinzugeben. Die
Fotografie übernimmt gewissermaßen die Funktion eines
Transkripts der Gegenwartshistorie.
Santu Mofokeng: Democracy is Forever, 2003
Neben den älteren und international etablierten Fotografen, wie
David Goldblatt und Santu Mofokeng, werden Werke von Vertretern der
jüngsten Künstlergeneration, wie Mikhael Subotzky und
Nontsikeleo „Lolo“ Veleko, präsentiert. Ohne den Anspruch zu
erheben, einen umfassenden Überblick der zeitgenössischen
südafrikanischen Fotokunst darbieten zu wollen, zeigt die
Ausstellung dennoch einige ihrer wichtigsten Aspekte.
Guy Tillim arbeitet mit seriellen
Realitätsfragmenten und berichtet über den Verfall des
urbanen Raums; Andrew Tshabangu dokumentiert die Lebensumstände
der schwarzen Bevölkerung von Johannesburg
unter dem Aspekt wie Traditionalität oder
Spiritualität;
Mikhael Subotzky analysiert und kommentiert die Situation in den
Gefängnissen und deren Rolle in einer multirassischen
Gesellschaft; Jo Ractliffe operiert mit der Verbindung zwischen
dokumentarischer Sicht und surrealistischer Entfremdung; Santu Mofokeng
fotografiert Werbetafeln, die auf skurille Weise in Kontrast zu ihrer
Umgebung stehen, oder schildert metaphorische Szenen in einer
poetischen visuellen Sprache; Nontsikeleo „Lolo“ Veleko untersucht
Fragen der Konstruktion von Identität in einer sich radikal
verändernden Gesellschaft, insbesondere der Stereotypen von jungen
schwarzen Stadtbewohnern; Zanele Muholi beobachtet mit ihren
sozial engagierten Aufnahmen Zeugnisse der physischen und emotionalen
Bedrängnis der schwarzen Lesben; Pieter Hugo zeigt Personen am
Rande der Gesellschaft oder macht süffisante Kommentare zum
Kolonialerbe und seine weiterhin lebendigen rassistischen Ansichten;
Jean Brundrit verweist mit ihren Photogrammen auf Fragen der
persönlichen Sicherheit und bestimmten Verhältnisse zur
Geschlechtsidentität; Lien Botha erzielt mit ihren
comicstripartigen Verankerungen von Landschaft und Text kontrastreiche
Narrationen des afrikanischen Schematismus; Bridget Baker schafft
konzeptuelle Fotowerke mit ikonografischer Schlichtheit, und
„Altmeister“ David Goldblatt schließlich stellt kritische
Betrachtungen über den südafrikanischen Alltag an und
schildert Menschen und Landschaft gleichermaßen mit „kühler
Leidenschaft.“
Guy Tillim: Mbulelo at the bar he runs in a house in Joel Road,
Berea, Downtown Jo’burg, 2004
Die Ausstellung, die anschließend auch in Chemnitz, Sindelfingen
und Bochum gezeigt wird, erhielt eine finanzielle
Unterstützung der DaimlerChrysler AG - Kunstbesitz und des
Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) aus Mitteln des
Auswärtigen Amtes.
Der Katalog, der in Zusammenarbeit mit der Edition Braus im Wachter
Verlag GmbH, Heidelberg, erscheint und während der Ausstellung
19,- Euro kostet, ist Teil unseres Konzepts, die Fotokunst der
Gegenwart mit einer fortgeführten Serie von Publikationen
vorzustellen. Die Textbeiträge stammen von Pam Warne und Patricia
Hayes aus Kapstadt.
Hinweis:
In unserer Veranstaltungsreihe „Treffpunkt NBK“ werden während der
Ausstellungslaufzeit drei Mittwochabende (jeweils 19 Uhr) dem Thema
gewidmet:
10. Januar 2007
„Contemporary Photography in South Africa“. Vortrag von Pam Warne, Kuratorin der
Ausstellung „Zeitgenössische Fotokunst aus Südafrika“
31. Januar 2007
„Videokunst aus Südafrika“, zusammengestellt von Pam Warne und vorgestellt von Katja Albers (Eine Veranstaltung
des Video-Forums)
21. Februar 2007
„Towards an Anthropology of Pop“. Die südafrikanische
Künstlerin
Candice Breitz zeigt
eine Auswahl ihrer neuen Videoarbeiten