Donnerstag, 28. Juni 2018, 19 Uhr
Performative Strategien und das Archiv

Podiumsdiskussion mit Yilmaz Dziewior (Kunsthistoriker und Kurator, Direktor Museum Ludwig, Köln) und Sigrid Adorf (Professorin für Zeitgenössische Kunst und Kulturanalyse an der Zürcher Hochschule der Künste), moderiert von Bettina Knaup (Kuratorin, Berlin und London)

VALIE EXPORT gilt als eine der wichtigsten Vertreter*innen konzeptueller Medien-, Performance- und Filmkunst, mit ihren feministischen und medienkritischen Werken prägte sie Generationen von nachfolgenden Künstler*innen. Im Zuge ihres Schaffens hat VALIE EXPORT ein umfangreiches Archiv zusammengetragen, das Ideenskizzen, Notizen, Entwürfe, Rezensionen, Drehbücher, Briefe, Kontaktabzüge und vieles mehr umfasst. Seit November 2017 wird der Vorlass unter der Leitung von Sabine Folie im VALIE EXPORT Center Linz beforscht und für eine interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zusammen mit der Künstlerin hat Folie eine Ausstellung entwickelt, die unter dem Titel VALIE EXPORT. Forschung – Archiv – Werk im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) zu sehen ist. Hier werden Archivalien in der Zusammenschau mit zentralen Werken der Künstlerin präsentiert und so der Schaffensprozess von EXPORT in einzigartiger Weise dokumentiert.

Vor dem Hintergrund einer Ausstellungsgestaltung, die dazu verhilft, in das verzweigte System der „wilden“ Ordnung eines Künstler*innenarchivs einzutauchen und dabei den forschenden Charakter des künstlerischen Prozesses unterstreicht, sprechen Yilmaz Dziewior und Sigrid Adorf mit der Moderatorin Bettina Knaup über Formen der Verknüpfung von performativen und archivarischen Strategien.

In deutscher Sprache
Eintritt frei

Sigrid Adorf ist Professorin für Zeitgenössische Kunst und Kulturanalyse sowie Ko-Leiterin des Institute for Cultural Studies an der Zürcher Hochschule der Künste. Von 1998–1999 arbeitete sie in Wien am digitalen Werkverzeichnis und im Archiv von VALIE EXPORT. 2007 schloss sie ihre Promotion an der Universität Bremen ab und veröffentlichte 2008 den Band
Operation Video (Bielefeld: transcript). Letzte Veröffentlichungen u. a.: „‚[E]ine echte, erfahrene Metapher‘ – ‚in welchem Medium oder welcher Form auch immer‘. Denkbilder zur Verschränkung von Erzählung und Erfahrung und ihre politische Bedeutsamkeit“, in: figurationen, Nr. 1, 2017; „Offscreen – Wenn Bilder jenseits ihrer Ränder zurückblicken“, in: Christiane Kruse / Birgit Mersmann (Hrsg.): Images as Agents, München: Fink (im Erscheinen). Adorf ist Mitherausgeberin der Zeitschrift FKW. Zeitschrift für Geschlechterforschung und Visuelle Kultur.

Yilmaz Dziewior ist seit Anfang 2015 Direktor des Museums Ludwig in Köln, zuvor leitete er das Kunsthaus Bregenz (2009–2015), sowie den Kunstverein Hamburg (2001 – 2008). 2015 kuratierte Yilmaz Dziewior den Österreichischen Pavillon auf der Venedig Biennale. Seine Promotion verfasste Dziewior über Mies van der Rohe (Blick durch den Spiegel. Glas als raumdefinierendes Element im Werk von Mies van der Rohe). Neben regelmäßigen Beiträgen in
Artforum, Camera Austria und Texte zur Kunst hat Dziewior zahlreiche Bücher und Kataloge zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts herausgegeben.

Bettina Knaup arbeitet international als Kuratorin und Kulturproduzentin mit Schwerpunkt im Bereich Performance und Gender. Seit Ende 2015 ist sie PhD research fellow an der Roehampton University, London. Zu ihren jüngeren Projekten gehören das mehrjährige Ausstellungs- und Archivprojekt
re.act.feminism (mit Beatrice Ellen Stammer, Akademie der Künste, Berlin, Antoni Tapies Foundation Barcelona, Tallinn Art Hall u. a., 2008–2014), sowie die Performance-Festivals performance platform. body affects (mit Silke Bake, Sophiensaele Berlin, 2012) und Performing Proximities (Beursschouwburg, Brüssel, 2008). Zudem war sie u. a. als Ko-Kuratorin und -Produzentin am transdisziplinären Laboratium für Performancekünste In Transit beteiligt (Berlin, Haus der Kulturen der Welt, 2002–2003) und verantwortete das International Festival of Contemporary Arts, City of Women (mit Sabina Potocki, Ljubljana, 2001–2004).