NBK Neuer Berliner Kunstverein
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Maryam Jafri
Costume Party: Colony & Native


Eine Ausstellung des Video-Forums

13. Mai – 25. Juni 2006
Eröffnung: Freitag, den 12. Mai 2006, 19 Uhr



Die in Pakistan geborene und in Kopenhagen und New York lebende Künstlerin beschäftigt sich in dem Ausstellungsprojekt "Costume Party: Colony & Native" besonders mit dem Einfluss der Geschichte auf die Ausbildung nationaler und supranationaler Identitäten.




Maryam Jafri: Costume Party, 2005, Mehrkanal-Videoinstallation



Im Mittelpunkt der Dreikanal-Video-Installation "Costume Party" von 2005  stehen 18 Personen, die eine Kostüm-Party besuchen. Unter ihnen sind z.B. ein Kreuzritter, ein Mönch, ein Cowboy, eine viktorianische Witwe und ein Marineoffizier des Britischen Empire. Sie tragen Kleider, die aus besonders wichtigen Epochen der Geschichte des Westens (von der Antike bis zur Gegenwart) stammen. Das Werk beschäftigt sich vor allem mit der Frage, welche Rolle die Geschichte sowohl bei der Entwicklung von Nationalbewusstsein als auch bei der Entstehung des Bewusstseins des Einzelnen spielen und untersucht die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, zwischen Geschichte und Mythologie. Die Arbeit ist mit einem multiethnischen Ensemble besetzt, das sich sowohl aus Angehörigen des Danish Royal Theaters als auch Filmschauspielern rekrutiert, um so auf das immer heterogener werdende Europa zu verweisen.

Die speziell für die NBK-Präsentation entwickelte Serie von Foto-Text-Collagen "Siege of Khartoum, 1884" (2005-2006) bedient sich zu Ikonen gewordenen Bildern aus dem Irak-Krieg (wie z. B. die Gefangennahme Saddam Husseins oder das Niederreißen seiner Statue auf öffentlichen Plätzen im Irak) und kombiniert diese mit Texten aus Zeitungsarchiven der New York Times, des Daily Telegraph und der britischen Times, die von Ereignissen aus der Vergangenheit berichten. Die Bandbreite der Artikel erstreckt sich über einen Zeitraum von der Blütezeit des britischen Empires bis zur Gegenwart. Das Projekt versucht nachzu-zeichnen, welche Spuren die Geschichten, die von den Aktivitäten der Weltmächte berichten, in der heutigen Zeit hinterlassen haben. Die 29 Foto-Collagen bilden einen narrativen Bogen, der mit frühen kolonialen Eroberungskriegen beginnt, und machen deutlich, "dass der Irak-Krieg und der Krieg gegen den Terror voll und ganz mit diesem schon vorher festgelegten Drehbuch konform gehen"
(Maryam Jafri).

Maryam Jafris Ausstellung ist die vierte Folge einer von Kathrin Becker kuratierten Reihe des Video-Forums im NBK, die mit thematischen Projekten oder einzelnen Positionen über die aktuelle Situation der Videokunst informiert, und sie ist die erste größere Einzelpräsentation der Künstlerin in einer deutschen öffentlichen Institution.

Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog (deutsch/englisch) im Revolver Verlag, mit Texten von Kathrin Becker, Sabeth Buchmann und Michael Eng, gestaltet von Michael Jensen (Kopenhagen), zu einem Preis von 15,- €.

Die Ausstellung wird unterstützt von der Danish Arts Agency, Kopenhagen.

           

Hinweis:
In unserer Reihe "Treffpunkt NBK" findet während der Ausstellungslaufzeit ein Begleitprogramm statt:

31. Mai 2006, 19 Uhr         Maryam Jafri im Gespräch mit Sophie Goltz, Berlin