NBK Neuer Berliner Kunstverein
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Günther Uecker • Aquarelle

Ausstellung: 12. März - 6. Juni 2005
Eröffnung: 11. März 2005, 19 Uhr

Parallel zeigt der NBK in Zusammenarbeit mit der Neuen Nationalgalerie im Martin-Gropius-Bau Günther Uecker: Zwanzig Kapitel. Das 20. Kapitel wird in der Neuen Nationalgalerie am 19. April 2005 eröffnet und dort bis zum 16. Mai gezeigt.

Anlässlich seines 75. Geburtstages und erstmals in Berlin würdigen zwei aufeinander abgestimmte Ausstellungen das umfangreiche Werk von Günther Uecker. Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern, die seit vielen Jahrzehnten wesentliche Beiträge zum internationalen Kunstgeschehen leisten.

Die Ausstellung in 19 Räumen des Martin-Gropius-Baus und in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie, aufgeteilt in 20 Kapitel, zeichnet mit über 200 herausragenden Beispielen aus fünf Jahrzehnten den künstlerischen Weg Ueckers nach, von frühen Zeichnungen und Lichtmedien über benagelte Objekte und Aschebilder bis zu aktuellen Raumarbeiten. Im Kinosaal werden täglich Filme von und über Uecker gezeigt. Weitere Begleitprogramme und Führungen ergänzen das Vermittlungsangebot.

Gleichzeitig findet im Neuen Berliner Kunstverein eine zweite Ausstellung mit seinen umfangreichen, auf Reisen entstandenen Aquarellen statt.

Die Aquarelle sind der intimste und am wenigsten bekannte Teil des Gesamtwerks von Günther Uecker. Sie begleiten seine sonstige, meist in kraftvollen Großformaten ausgeführte künstlerische Arbeit seit über 25 Jahren. Obwohl Uecker selbst nur das im Atelier Erarbeitete als Hauptwerk bezeichnet und die Aquarelle, »die sich aus einer direkten Draußenatmosphäre wie von selbst ergeben, von ihm als Studien angesehen werden« (Heinz Norbert Jocks), darf ihr Stellenwert im Œuvre des Künstlers auf keinen Fall als peripher bewertet werden.

Durch die Unmittelbarkeit in der Begegnung mit der Landschaft sind die Aquarelle – oft als »Liebesbriefe an die Natur« bezeichnet – essentielle »seismografische Instrumente«, die Uecker für seine Welt- und Icherfahrung wirksam werden lässt. In Form von »unalphabetischen« Tagebüchern führt er einen sehr persönlichen Dialog mit der Natur, deren Schönheit und Strukturvielfalt ihn schon als Kind auf der Insel Wustrow tief berührten. »Ich habe als Kind an der Ostsee am Wasser gesessen, und da sah ich Himmel und Wasser, Erde und Feuer«, erzählte Uecker in einem Gespräch über den damaligen Zustand des »In-der-Natur-Seins«, in welchem seine bis heute fortbestehende naturverhaftete Denkart verwurzelt ist.

Der zweite Beweggrund neben der Naturverbundenheit, der zur Geburt der Aquarelle führte, waren die ausgedehnten Reisen Ueckers seit Mitte der siebziger Jahre. Aus einem leidenschaftlichen Drang des »Körperkontakts zur Welt« besuchte der Vielreisende alle Kontinente und hat »sich malend in Orte vertieft, als wolle er von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag einen Bruchteil ihres zeitlichen Wesens erfassen« (Heinz Norbert Jocks).


Günther Uecker: Feuerberg - Westafrika, 2001

Im Laufe der seit Jahrzehnten unermüdlich fortdauernden Reisetätigkeit entstanden Dutzende von Aquarellzyklen, denn Uecker fertigte nie Einzelstücke an, sondern stets mehrere Blätter umfassende Serien. Die Beschränkung auf einzelne Werke würde seinem Bestreben, die immer währenden Veränderungen in der Natur festzuhalten, widersprechen. Wieland Schmied bemerkte dazu treffend: »Landschaft ist für Uecker nichts Statisches und Begrenztes. Uecker begreift und zeigt Landschaft als etwas Bewegtes, Veränderliches – wie der Mensch etwas Bewegtes, Veränderliches ist.« Nicht das Konstante, sondern das Prozesshafte, das Fließende im Sinne von panta rhei soll geschildert werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich nicht nur die Naturstimmungen wandeln, sondern auch die Naturempfindungen des Künstlers, seine wechselnde psychische Befindlichkeit und die dadurch veränderte Wahrnehmung während des Malaktes.

Die Technik des Aquarells kommt Ueckers Intention, die Naturvorgänge in zügiger  Abfolge zu notieren, besonders entgegen. Auch für die Arbeitsweise unterwegs eignen sich die leicht transportablen Utensilien und das kleine Papierformat vortrefflich. Die Attraktivität und zugleich die Herausforderung bei der Anwendung dieses Mediums liegt im spannungsreichen Wechselspiel zwischen der äußersten Konzentration beim Einsatz seiner Möglichkeiten und dem der Schnelligkeit fordernden handwerklichen Notwendigkeit entgegengesetzten meditativen Verhalten, von dem die künstlerische Umsetzung der Natureindrücke gespeist wird. Das Aquarellverfahren bietet für Ueckers Absicht, Ideelles zu materialisieren und Stoffliches sinnlich erfahrbar zu machen, in zweifacher Weise die adäquate Lösung, denn sowohl die Transparenz (des Wassers) als auch die Körperlichkeit (des Pigments) sind zwei Quellen, Greifbares und Ungreifbares als Teil der menschlichen Existenz zu artikulieren.

Ueckers Aquarelle auf Reisen vermitteln die Dynamik von Form und Farbe, Licht und Atmosphäre der besuchten Länder und deren beobachteten Naturphänomene auf virtuose Weise. Mit lockerer Pinselführung und nuancenreichem Kolorismus begegnet er der Landschaft in ihrer vielfältigen Erscheinung und reagiert auf sie spielerisch und feinnervig. Wo er in seinen anderen Kunstwerken die Naturelemente – Erde und Holz, Stein und Asche – direkt überträgt, lässt Uecker in den winzigen Formaten der Aquarelle nur die empfundene Kraft und Schönheit dieser Elemente sichtbar werden. Wie er die weißbemalte Oberfläche seiner frühen Bilder mit Nägelreihen zum Projektionsraum der reinen Lichtreflexe verwandelte, erreicht er hier mit der fein vibrierenden Lasur der Wasserfarbe und dem dazwischen hindurch scheinenden weißen Papier eine ähnlich hohe Intensität der Lichtmodulation.


Es scheint so, als ob sich Uecker durch seine intimen, sehr persönlichen Aquarelle immer wieder eine kurze Atempause gönnen würde auf dem beschwerlicheren Weg seines strengen, sich mit den aktuellen Problemen der Zeit auseinandersetzenden Hauptwerks. So konnte im letzten Vierteljahrhundert eine künstlerische Parallelwelt entstehen, die eine andere, nicht minder charakteristische Seite der Sensibilität Ueckers für die Schönheit, aber auch für die Verletzlichkeit der Natur offenbart. Von diesem reichen Fundus zeigt die Ausstellung mit Beispielen aus 15 Aquarellzyklen einen ersten größeren Überblick.

Zu den Ausstellungen erscheinen zwei umfangreiche Kataloge im Hatje Cantz Verlag, Günther Uecker Zwanzig Kapitel mit Beiträgen von Wulf Herzogenrath, Dieter Honisch, Britta Schmitz, Alexander Tolnay, Stephan von Wiese und Kazuhiro Yamamoto zum Preis von Euro 39,80 und Günther Uecker Aquarelle mit Beiträgen von Alexander Dückers und Alexander Tolnay zum Preis von 19 Euro.


Ausstellungsorte:

Zwanzig Kapitel 11. März bis 6. Juni 2005 im Martin-Gropius-Bau
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
und 20. April bis 16. Mai 2005 in der Neuen Nationalgalerie, Eintritt frei

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
Tel. 030-254 86 0, Fax 030-254 86 107
www.gropiusbau.de
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 20 Uhr, außer dienstags
Verkehrsverbindung: U2, S1, S2, S 25 > Postdamer Platz, Bus M 29 > Anhalter Bahnhof, Bus M41 > Abgeordnetenhaus

Neue Nationalgalerie
Kulturforum, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin
Tel. 030-266 26 51, Fax 030-262 47 15
www.smb.spk-berlin.de/nng/s.html


Neuer Berliner Kunstverein

Öffnungszeiten für diese Ausstellung: täglich 12 bis 20 Uhr, außer dienstags
Verkehrsverbindung: S1, S2, S25 > Oranienburger Straße
U6, M1, M6 > Oranienburger Tor

Führungen durch das Führungsnetz des MD Berlin
Information und Anmeldung: MD infoline, Telefon 030-902 69 94 44
Die Sonntagsführungen im Martin-Gropius-Bau sind kostenlos

Pressekontakt: Goldmann PR Berlin, berlin@goldmannpr.de
www.goldmannpr.de/uecker_info.html