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Ortsbegehung 11 Handlungsformate Laura
Horelli, Daniel Knorr, Katya Sander Gastkurator: Marius Babias Ausstellung:
2. Juli - 14. August
2005 Zum elften
Mal seit 1995 zeigt der Neue Berliner Kunstverein eine Ausstellung
unter der Überschrift "Ortsbegehung". Die in jährlichem
Rhythmus wiederkehrende Reihe präsentiert zeitgenössische
Positionen junger Kunst mit jeweils drei in Berlin lebenden
KünstlerInnen. Sie werden von einem Gastkurator oder einer
Gastkuratorin ausgewählt und jeweils konzeptuell aufeinander
bezogen. "Ortsbegehung
11" mit dem Titel "Handlungsformate" wurde von Marius Babias konzipiert
und beschäftigt sich mit dem Thema Öffentlichkeit, genauer:
mit den Möglichkeiten des Eingreifens in die Realität durch
eine kritische Kunstproaxis. Die im Prozess der Globalisierung immer
brutaler werdende kapitalistische Gesellschaft schmückt sich mit
immer kritischer werdenden Mikroöffentlichkeiten, wovon eine
hochgradig symbolische die Bildende Kunst ist. Das "kritische
Kunstwerk" kann beides leisten: nach innen die jeweilige Subszene mit
Oppositionalität aufladen und mit Distinktionsgewinnen versorgen,
nach außen die institutionelle Legitimität und das
kulturelle Selbstbild der kapitalistischen Gesellschaft generieren. Die
Ausstellung "Ortsbegehung 11 - Handlungsformate" definiert den Neuen
Berliner Kunstverein als öffentlichen Raum, der für die Kunst
reklamiert wird. Der Ausstellungsraum, wie ihn Brian O'Doherty
verstand, ist derjenige exterritoriale Raum, in dem das Publikum
stellvertretend für die Gesellschaft ästhetische Erfahrungen,
auch solche gegen die Gesellschaft gerichtete, austestet. Die in der
Ausstellung gezeigten Arbeiten thematisieren auf unterschiedliche Weise
die Außenbeziehungen der Kunst zur Gesellschaft. Ohne direkt
"Handlung" zu initiieren oder zur Tat aufzurufen, enthalten die
Arbeiten doch ein Handlungsmoment; sie repräsentieren ein das
künstlerische Wirken in der Öffentlichkeit befragendes und
das kritische künstlerische Interesse fassendes Handlungsformat,
das die Reflexion mit der Anschauung verbindet. Ebenso wie der Katalog
ein Display und Co-Produzent der Ausstellung ist, definieren sich auch
die ausgestellten Werke als modellhafte Anschauung der Wirksamkeit von
Kunst in einer sukzessive sich entöffentlichenden Gesellschaft.
Daniel Knorr, geboren 1968 in
Bukarest, lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten stellen die
Materialität der Kunst in Frage und überschreiten die Grenzen
zwischen Theater, Performance und Alltagsleben. Knorr erforscht die
Zonen des öffentlichen, privaten, natürlichen und
künstlichen Raums sowie die Beziehungen zwischen Künstler,
Publikum und Sujet. Er hatte Einzelausstelllungen in der New Yorker
Galerie The Project (2002) und in der Serge Ziegler Galerie Zürich
(2001) sowie im Kunstforum Lenbachhaus München (1994), und
repräsentiert Rumanien bei der 51. Biennale Venedig (2005).
Gruppenausstellungen (Auswahl): Hey
International Competition Style, TENT, Rotterdam (2000), Space Co-Opted, Andrew Kreps
Gallery, New York (2001), Public
Affairs, Kunsthaus Zürich (2002), Love It Or Leave It, 5.
Kunstbiennale in Montenegro (2004). Katya Sander, geboren 1970, lebt
und arbeitet in Kopenhagen und Berlin. In ihren Videos, Filmen, Fotos,
Texten, architekturbezogenen Arbeiten und Interventionen
beschäftigt sie sich mit Fragen von Raum, Narration,
Wunschproduktion und Machtstrukturen. Viele ihrer Arbeiten sind
ortsspezifisch und verwenden und/oder reflektieren einen gegebenen
Kontext. Häufig plaziert sie ihre Arbeiten außerhalb
identifizierbarer Kunstkontexte. Sander hatte zuletzt eine
Einzelausstellung - The Most
Complicated Machines Are Made of Words - im Museum Moderner
Kunst Stiftung Ludwig (MuMoK), Wien (2005), und ihr jüngstes
Projekt Exterior City wurde
in der Ausstellung Whatever Happened
to Social Democracy? im Rooseum, Malmö (2005) gezeigt. Sie
produzierte Was ist
Öffentlichkeit? für eine Einzelausstellung im
Kunstverein München (2004), und koproduzierte zusammen mit Andrea
Geyer Meaning Is What Hides the
Instability of One's Position im Esbjerg Kunstmuseum,
Dänemark (2004). Sander ist Mitglied des Forschungskollektivs Scripts and Politics (mit Andrea
Geyer, Ashley Hunt, Sharon Hayes und David Thorne) und Mitherausgeberin
der Serie OE: Critical Readers in
Visual Cultures (mit Simon Sheikh). Zur
Ausstellung, die ab November 2005 auch im Kunstverein Göttingen
gezeigt wird, erscheint ein Katalog mit Texten von Marius Babias, Laura
Horelli, Daniel Knorr und Katya Sander zum Preis von 10 Euro |