NBK Neuer Berliner Kunstverein
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Zeitgenössische Fotokunst aus Kanada

Ausstellung: 15. Januar - 27. Februar 2005
Eröffnung: 14. Januar 2005, 19 Uhr

Nicolas Baier, Lynne Cohen, Stan Douglas, Isabelle Hayeur, Vid Ingelevics, Scott McFarland, Emmanuelle Léonard, Mark Lewis, Louise Noguchi, Alain Paiement, Carlos und Jason Sanchez, Michael Snow

Kuratorin: Marie-Josée Jean, Montréal (VOX – Zentrum für Fotografie)
 

Als konsequente Fortsetzung einer Serie, die sich mit zeitgenössischer Fotografie
verschiedener Länder auseinandersetzt, zeigt der Neue Berliner Kunstverein vom
15. Januar bis 27. Februar 2005 die Ausstellung „Zeitgenössische Fotokunst aus Kanada“. Sie präsentiert zwölf Künstler und Künstlerinnen, deren Arbeiten sich zwischen humorvoll  Inszeniertem und streng Dokumentarischem bewegen und so unterschiedliche Themen behandeln wie öffentliche Einrichtungen oder private Wohnbereiche, Garten- oder Stadtlandschaften, Museumssäle oder Filmdrehorte.  Gemeinsam ist aber allen Teilnehmern das Anliegen, jene realen und illusionären Mechanismen zu zeigen, die an der Erzeugung und Wahrnehmung von Räumen teilhaben. Der Essay der Kuratorin, Marie-Josée Jean vertieft diese Betrachtungsweise in der zeitgenössischen kanadischen Fotokunst und nimmt Bezug auf  weitere Aspekte, die nicht in die Auswahl aufgenommen werden konnten. Der zweite Text von Ian Wallace untersucht die verschiedenen Kräfte, von welchen das Schaffen der kanadischen Fotokünstler heute gesteuert wird.

Die zwölf Positionen, die hier vorgestellt werden, können mit der von der Kuratorin
gewählten englischen Überschrift ihres auf Französisch geschriebenen Textes zusammengefasst werden: „The Space of Making“, das auf Deutsch so viel wie „Räume der Kreation“, oder in unserem Fall eher als „Räume der fotografischen Produktion“ verstanden werden kann. Im Grunde wird diese Lesart mit  einer zusätzlichen Dimension erweitert, denn sie geht über die Frage der Orte des fotografischen Handelns oder der Erschaffung von Räumlichkeit mit fotografischen Mitteln hinaus und schließt sowohl die Sichtbarmachung des Denkens darüber als auch die Enthüllung der Mythen und Mechanismen der Bildproduktion mit ein.


Alain Paiement: Parage (Partir d'où j'habite) et (toit/nuages), 2002

Die Werke der Ausstellung vermitteln eine mehrstimmige Reflexion über dieses Kon-
zept. Nicolas Baier arbeitet mit visuellen Überlagerungen von Zeitebenen durch Ineinanderschichtung von Alltagsfragmenten; Lynne Cohen dokumentiert fremd wirkende, von sozialer Distanz gekennzeichnete Interieurs, in denen die Grenzen zwischen Innen und Außen, Kultur und Natur verschwommen sind; Stan Douglas operiert mit der Wechselwirkung von öffentlichem Raum und sozialem Leben; Isabelle Hayeur untersucht die Auswirkung der Globalisierung auf die Umwandlung der urbanen Landschaften; Vid Ingelevics  schildert die Herstellung von kulturellen Räumen am Beispiel von Museumsinnenaufnahmen; Scott McFarland fotografiert pittoreske, jedoch verschlossene Gartenlandschaften, als Sinnbilder für verbaute Natur; Emmanuelle Léonard  verweist auf die Besonderheit bestimmter sozialer Realitäten mit Hilfe von menschenleeren Arbeitsstätten, die die dort Tätigen für sie dokumentierten; Mark Lewis macht (neben seiner filmischen Arbeit) Standfotos von Drehorten, die konträr zu ihrer veranschaulichenden Funktion deren ästhetische Autonomie zum Vorschein bringen; Louise Noguchi zeigt die Folgen der Globalisierung auf die kulturellen Erwartungen am Beispiel von Wildwest-Themenparks; Alain Paiement stellt Gleichzeitigkeit und räumliche Einheit suggerierende Fotomontagen her von zeitlich und räumlich getrennten Wohn- und Arbeitsbereichen; Carlos and Jason Sanchez erzielen narrative Verankerungen von Privaträumen durch inszenierte Situationen und Michael Snow schließlich schafft illusionistische Momentaufnahmen über die Simultaneität von realen und konstruierten Räumen.

Die Ausstellung, die anschließend auch im Städtischen Museum Zwickau, im Kunstmuseum Heidenheim und in der Städtischen Galerie Waldkraiburg gezeigt wird, erhielt eine großzügige finanzielle Förderung durch das Federal Department of Foreign Affairs and International Trade Canada und dem Conseil des arts et des lettres du Québec und wurde mit organisatorischer Hilfe von VOX, centre de l’image contemporaine, Montréal verwirklicht.

Der Katalog, der in Zusammenarbeit mit der Edition Braus im Wachter Verlag GmbH,
Heidelberg erscheint und während der Ausstellung 19,- Euro kostet, ist Teil unseres Konzepts, die Fotokunst der Gegenwart mit einer fortgeführten Serie von Publikationen vorzustellen. Die Textbeiträge stammen von Marie-Josée Jean, Leiterin von VOX, centre de l’image con-temporaine, Montréal und Ian Wallace.

In unserer Veranstaltungsreihe Treffpunkt NBK werden während der Ausstellungs-
laufzeit zwei Mittwochabende (jeweils 19 Uhr) dem Thema gewidmet:

12. Januar    „Videokunst aus Kanada“ vorgestellt von Marie-Josée Jean, VOX centre
                        de l’image contemporaine, Montréal, und Kuratorin unserer Ausstellung
                        (in englischer Sprache)

9. Februar      Das kanadische Künstlerpaar Flutura und Besnik Haxhillari stellt seine
                        bisherigen Projekte vor und zeigt eine Performance  „Chair de couple
                        oder Der Kraftakt der zwei Gullivers“