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SUV (Sport Utility Vehicle) Katrin Lock, Andreas
Schimanski, Maik Wolf
Ausstellung: 10. Juli - 22. August 2004
Zum zehnten Mal seit 1995 zeigt der Neue Berliner Kunstverein eine Ausstellung unter der Überschrift Ortsbegehung. Die in jährlichem Rhythmus wiederkehrende Reihe präsentiert zeitgenössische Positionen junger Kunst mit jeweils drei Vertretern aus Berlin. Sie werden von einem Gastkurator oder einer Gastkuratorin ausgewählt und sind durch ein Konzept miteinander verbunden. Die diesjährige "Jubiläumsausgabe"
mit dem Titel SUV wurde von Ute Tischler konzipiert und greift ein tagespolitisch
hochaktuelles Thema auf: unsere Beziehung zur Großmacht Amerika und
ihr Einfluss auf die europäische Kultur und ihre Verhaltensnormen.
SUV, die Abkürzung für Sport Utility Vehicle, ist ein im Verhältnis
zu seinem Gebrauchswert zu groß geratener und viel Zierblech und
Breitreifen aufgerüsteter Geländewagen, der zunächst nur
vom Militär, heute jedoch überwiegend von den US-Durchschnittsbürgern
für kurze Stadtfahrten benützt wird. Er eignet sich als Sinnbild
für "amerikanisches Alltagsverhalten und Allmachtsdenken" und symbolisiert
"Abgrenzung, erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und Energieverschwendung"
(Ute Tischler).
Die kritischen Arbeiten von Katrin Lock, Andreas Schimanski und Maik Wolf sollen trotz des gegenwärtigen Ressentiments gegen das Land und seine Werte in Deutschland nicht als simpler Antiamerikanismus missverstanden werden. Sie spiegeln die Reflexion ihrer Generation über die Einwirkung verschiedener Phänomene der amerikanischen Kultur auf die europäische Kunstpraxis und deren Definitionsmacht in einem globalen Diskurs. Neben einer persönlichen Amerikaerfahrung in ihrer Kunst wie in ihren Karrieren verbindet die drei Künstler ein konsequentes Gespür für Zeitgeschichte und die Erfahrung, dass auch Kunst politische Haltungen impliziert. In ihren Arbeiten zeigen sie, dass die heiß diskutierte Frage nach der Werteverschiebung und neuen Orientierung immer auch eine Sehnsucht nach der eigenen kulturellen Identität impliziert. Katrin Lock studierte am Londoner Chelsea
College of Art and Design und an der Hochschule der Künste Berlin.
Seit 1996 kombiniert sie in ihrer Arbeit Kunst und Musik mit politischen
Aussagen. In SUV zeigt sie zwei Arbeiten, deren Ausgangspunkt in amerikanischen
Freiheitsmetaphern liegen und die Schizophrenie zwischen Amerika-Bewunderung
und -Kritik thematisieren.
Andreas Schimanski studierte von 1993-98 Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin. Seine Videoarbeiten thematisieren Fragen zu Zeit und Raum, die er als "Wahrnehmungsprozesse" beschreibt. Kennzeichnend ist eine komprimierte Aussagekraft, deren Spannung durch Repetition ausgewählter Sequenzen entsteht. In der Ausstellung SUV zeigt er zwei Video-Installationen, die der Frage nachgehen, wie sich Machtansprüche im Alltag reproduzieren. CHEERLEADING ist eine Auseinandersetzung mit dem Massenereignis Football und verweist auf dessen gesellschaftsstrategische Bedeutung des Erfolgs im Kontext der Hochleistungsgesellschaft Amerika. Die Arbeit KRITIK ist ein Statement zur aktuellen Situation der kritischen Kultur. Im Zusammenhang der Ausstellung verankert sich die Arbeit in das Feld der deutsch-amerikanischen Beziehungen, in dem wechselseitige Kritik eine grundsätzliche Haltung geworden ist. Bei Schimanski wird "Kritik" ein phonetisches Spiel zum Thema Macht und Missverständnis. Maik Wolf studierte Bildende Kunst
an der Hochschule für Kunst und Design, Halle, und an der Ecole Nationale
Supérieur des Beaux Arts, Paris. Ihn beschäftigt die Frage
nach dem Einfluss der Massenmedien auf unsere Bildvorstellungen und Bildressourcen.
Die Arbeiten seiner Serie SIMULACRA sind das Ergebnis steter Umleitungen
und Umformungen dieses Medien-Bildstroms. Aus verschiedenen Ausgangsmotiven
konstruiert Wolf neue homogene Bildräume, die in unterschiedlichen
Materialien ausgeführt werden. In SUV zeigt er zwei neue Versionen
in großformatigen Ölbildern. Für seine Bildplanen verfolgt
er das Prinzip der Medienmontage auf andere Weise. Er verzichtet hier auf
seine malerischen Oberflächen und nutzt den direkten Datenstrom für
die Bilderzeugung. Die Referenzen an aktuelle Ereignisse dokumentieren
sich über Text und Bildpersonal.
Zur Ausstellung, die ab September 2004 auch im Kunstverein Göttingen gezeigt wird, erscheint ein Katalog mit Texten von Ute Tischler und Falk Richter sowie Fotos von Wolfgang Stahr zum Preis von 10 Euro.
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